36 halben Jahre herbeilassen, um dann im Herbst bei der bevorstehenden Milchknappheit hohe Preise durchdrücken zu können. Auch sollten die Konsumvereine einwilligen, keine Milch an andere Konsum vereine oder Händler zu verkaufen. Da man diese Forderungen nicht anerkennen konnte, brach man die Verhandlungen ab. Die Konsum vereine konnten anderwärts genügend Milch bekommen. Wie der Markenartikelverband, so war denn auch der Milchproduzentenver band einige Monate später zu einer Einigung bereit. Diese kam auch zustande, nachdem die Milchbauern ihre den Konsumenten nach teiligen Bestimmungen aufgegeben hatten. Ein anderer Fall wird aus England berichtet. Dort wurde ein Seifenkartell gegründet. Um sich seiner Willkür zu ent ziehen, bestellten die englischen Konsumvereine nunmehr ihre Seife in viel größerem Maße als vorher bei den Seifenfabriken ihrer Groß einkaufsgesellschaft. Das bedeutete für das Kartell einen großen Rück gang ini Absatz; man muß berücksichtigen, daß in England ein Drittel der Bevölkerung in Konsumgenossenschaften organisiert ist. Nach ganz kurzem Bestehen mußte sich auch daun die monopolistische Organisation auflösen. Diese wirtschaftlichen Siege, deren hier noch mehr zitiert werden könnten — man blättere nur die Konsumgenossenschaftliche Rundschau durch —, zeigen uns den gewaltigen Einfluß, den die Konsumvereine im Verkehr mit den Erwerbsgeschäften ausüben: Man tritt aus dem Kartell aus, um die Konsumvereine nicht als Abnehmer zu verlieren; man löst sogar Kartelle auf, weil die Konsumgenossenschaften die Kartellbestimmungen nicht anerkennen wollen. Das ist die unge heure Wirkung jener Riesenorganisationen zur Wahrung der Kon sumenteninteressen. Die Konsumgenossenschaften sind sich ihrer Macht und Stärke natürlich auch bewußt. „Proletarisches Selbstbewußtsein" nennt es Paul Göhre. Im Jahre 1890, als der Leipzig-Plagwitzer Verein noch verhältnismäßig jung war, schreibt dieser schon an eine Firma, die ihn um Referenzen gebeten hatte: „Wir teilen Ihnen kurz mit, daß wir es nicht für nötig erachten, Referenzen zu geben. Seit den letzten vier Jahren ist uns dieser Fall nicht mehr vorge kommen . . . ."?) Im allgemeinen schreiben die Konsumgenossen schaften in höflichem Geschäftston, ohne allerdings dabei zu „kriechen". Auch das Schmiergelderunwesen scheint im konsumge nossenschaftlichen Güterverkehr weniger üblich zu sein als im erwerbs- 6 ) Paul Göhre, Die deutschen Arbeiterkonsumvereine. Berlin 1910. S. 190.