37 mäßigen Warenverkehr?) Darüber weiß Paul G ö h r e Interessantes aus dem großen Plagwitzer Konsumverein zu berichten. Er gibt die Ab schrift des folgenden Briefes, den ein früherer Geschäftsführer des genannten Vereins geschrieben hat?) „Durch Ihren Herrn X. erhielt der Unterzeichnete in einem persönlich adressierten Eilbriefe einen Hundertmarkschein. Ich muß Ihnen gestehen, daß mir so etwas in meiner langjährigen Tätigkeit noch nicht geboten worden ist. Die Sache befremdet mich umsomehr, da Sie doch schon an der Retournierung des Weihnachtsgeschenkes erkennen mußten, daß ich derartigen Sachen nicht zugänglich bin. Ich sehe mich nun gezwungen, Ihnen mitzuteilen, daß wir von heute ab die Geschäftsverbindung mit Ihnen abbrechen. Die hundert Mark gehen abzüglich des Portos per Postanweisung an Ihre Firma zurück." Ein anderer Brief an einen Spediteur lautet ganz lakonisch: «Ihre Zigarren mißfallen uns. Wir ersuchen Sie, die Kiste unverzüg lich abholen zu lassen, und zwar morgen, Sonnabend; sonst sehe ich mich genötigt, sie einem Spediteur zur Aufbewahrung zu geben." Natürlich sind nicht alle Geschäftsführer gegen derartige Ver suchungen gefeit. Doch geht im allgemeinen die Auffassung der Ge schäftsführer dahin, daß sie das Vermögen von vielen armen Arbei tern zu verwalten haben und sich nur von konsumgenossenschaftlichen Interessen bei ihren geschäftlichen Handlungen leiten lassen dürfen. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. In besonderem Maße nehmen die Konsumvereine auf die Qualität^) der Bedarfsgüter bei ihren Einkäufen Rücksicht. Das Konsumenteninteresse dieser Organisation macht es dem Einkäufer zur vornehmsten Pflicht, nur einwandfreie Waren einzukaufen. Große Vereine haben besondere Maßnahmen für die Durchführung des Qualitätsprinzips getroffen. „So werden im Konsumverein Stutt gart seit 1876 regelmäßig Berichte über amtliche Warenuntersuchun gen gegeben, die oft mehrere Hundert Mark jährlich kosten. Die Lieferanten der betreffenden Artikel werden von dem Ausfall der Untersuchungen, besonders natürlich von Beanstandungen, jeweils verständigt, und bei der Warenbestellung wird ans die Ergebnisse der 6 ) Ein sicheres Urteil darüber möchte ich damit nicht gefällt haben. Wie weit das Schmiergelderunwesen im Verkehr der Erwerbsgeschäfte unter sich und mit öffentlichen Körperschaften Ausdehnung gefunden hat, schildert interessant Wilhelm B e ck-Steglitz in der Zeitschrift für Handels wissenschaft und Handelspraxis 1911 Nr. 6; ferner Haasis in seinem Buche über Schmiergelderunwcsen, Stuttgart 1913. ft Paul G ö h r e, a. a. O. S. 281. s) Luxuriöse Verpackung spielt dagegen beim Einkauf der Konsumvereine keine Rolle. So kommt es denn auch vor, daß die Lieferanten ausdrücklich in ihren Angeboten an Konsumvereine bemerken, daß der Preis bei Verzicht auf die kostspielige Ausmachung, Reklame usw., sich um soundsoviel ermäßige.