4» 47 es z. T. mit Rücksicht darauf, daß ich auf das vortreffliche Buch von Heinrich Kanfman n, Geschichte des konsumgenossenschaftlichen Großeinkaufs in Deutschland, verweisen kann, z. T. aber auch, weil ich in dieser ganzen Darstellung die Einkaufszentralen als selbständige Lieferanten betrachte, die nur insoweit für uns von Interesse sind, als sie diese Funktion ausüben. Ich werde nicht den Einkauf durch die Einkaufszentralen schildern, was eine detaillierte Darstellung die ser selbst bedingen würde, sondern nur den Einkauf von den Groß einkaufsgesellschaften. Wenn man einen Vergleich ziehen will zwischen der englischen und deutschen Großeinkaufsgesellschaft, so ist zu berücksichtigen, daß in Deutschland erst seit 1894 eine auf genossenschaftlicher Grundlage gut organisierte Großeinkaufsgesellschaft besteht. Außerdem muß man Die besonderen Verhältnisse in Deutschland — siehe nachstehende Aus führungen —, die lange Zeit sehr hemmend, speziell auch auf den gemeinschaftlichen Großeinkauf wirkten, hier in Betracht ziehen. Wie in anderen Ländern, so bildeten auch in Deutschland lokale und regionale Einkaufsvereinignngen die Borstufe für den vollständig zentralisierten Großeinkauf. Diese Einkaufsvereinigungen fanden be sonders Verbreitung in den 80er Jahren, als die erste größere Be wegung der Erwerbsgeschäfte gegen die Konsumgenossenschaften sich bemerkbar machte. Diese Bewegung bestand vor allen Dingen in der Boykottierung der Konsumvereinslieferanten. Sie wurde von den Detaillisten ziemlich mit Erfolg durchgeführt. Ein Zusammenschluß der Konsumvereine war die natürliche Folge. Doch waren diese Ein kaufsvereinigungen zu lose, als daß man auf ihnen eine gemeinsame Einkaufszentrale hätte aufbauen können. Auch fehlte es an dem notwendigen Unternehmungsgeist, bzw. man fühlte' sich noch nicht stark genug, ein solches Unternehmen zu gründen. Man erinnerte sich im übrigen der schlechten Erfahrungen, die der Stuttgarter Ge nossenschafter Dr. Pfeiffer Anfang der 70er Jahre mit der von ihm 1869 gegründeten Mannheimer Einkaufsgenossenschaft süddeut scher Konsumvereine gemacht hatte. Dieses ursprünglich genossen schaftliche Unternehmen war aus Kapitalmangel in eine Aktiengesell schaft übergegangen und hatte schließlich 1875 in Liquidation treten müssen. Vor allen Dingen aber war es die Politik des Allgemeinen Verbandes, die eine Konsumentenorganisation, wie sie die Einkaufs zentrale darstellen sollte, zu hindern suchte. Trotz der ablehnenden Stellung der Verbandsleitung wurde aber das Problem vielfach er örtert und der dringende Wunsch nach einer Großeinkaufsgesellschaft ausgesprochen.