69 bedingungen zu, die ja in innigem Zusammenhang mit den Preisen stehen. Ich weiß nicht, ob darüber schon Untersuchungen angestellt worden sind, doch trifft meine Behauptung jedenfalls für die Praxis zu. Wo aber jener Preisrückgang aufhört, tritt ein anderes Moment ein, d. i. die Kulanz, welche in der nachträglichen Gewährung von Vorteilen besteht, z. B. daß man in besonderen Fällen die Abnahme- frist verlängert, oder daß man den größeren Abnehmer bei der Liefe rung von stark begehrten Artikeln bevorzugt, und endlich, daß man in der Expedition die Sendungen für den Großabnehmer möglichst schnell abzufertigen sucht. Man kann bei den Einkaufsvereinigungen der Konsumvereine von einer besondern Preispolitik sprechen. Sie wird durch folgenden Fall, der mir aus Württemberg mitgeteilt wurde, illustriert. Vor einigen Jahren schlossen sich die Kräuterkäsefabrikanten zusammen und suchten recht hohe Preise für ihre Waren zu erlangen. Die Württembergischen Konsumvereine setzten sich dem entgegen durch Zu sammenlegen ihrer Orders, die sie nur einem Fabrikanten über schrieben. Dadurch verloren die anderen einen Teil ihrer Kundschaft und es trat Uneinigkeit bei ihnen ein. Die Folge war eine starke Preisherabsetzung. Auch das folgende Beispiel ist interessant für das Wirken der Einkaufsvereinigungen. Dieser Fall wurde mir ebenfalls in liebens würdiger Weise aus Württemberg von einem dort bekannten Konsum genossenschaftspraktiker mitgeteilt. Die beiden Tochtergesellschaften des Rockefcller - Trusts, die Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft und die Mannheim- Bremer Petroleumgesellschaft, hatten bis vor ca. 4 Jahren die Alleinherrschaft in Württemberg in der Lieferung von Petroleum. Die Preise beider Gesellschaften waren gleich hoch und für den Ver braucher ziemlich drückend, auch bei Abschlüssen ließen sich keine Sondervorteile bei der einen Gesellschaft gegenüber der andern her ausholen. Das Petroleum mußte seinerzeit bei größeren Abschlüssen, je nach der Lage des betreffenden Platzes, mit 21 -22 Pfennig für das Liter bezahlt werden. Nun erschien die österreichische „Olex"-Petroleumgesellschaft auf dem Plan und versuchte, ihr galizisches Petroleum zu verkaufen. Dies wurde von den Württembergischen Einkaufsvereinigungen wahr genommen. Auf Grund ihrer regen Tätigkeit waren sie bald in der Lage, mit der „Olex"-Petroleumgesellschaft, die nunmehr in einen schweren Kampf mit den Amerikanern eingetreten war, einen Jahres abschluß für die Württembergischen Konsumvereine zu tätigen, der es