— 93 — Wir sehen also, daß auch Konsumvereine latente Bedürfnisse zu wecken suchen. Doch geschieht das nur insoweit, als es im Interesse der Konsumenten oder vielleicht auch der Arbeitnehmer liegt. Wenn es sich also darum handelt, hygienisch oder ökonomisch zu wirken, oder mit Rücksicht auf die Arbeitnehmer soziale Wirkungen auszuüben, so übernimmt auch die Konsumgenossenschaft die Funktion der Weckung latenter Bedürfnisse. Viel weiter gehen hierin bekanntlich die Erwerbsgeschäfte. Bei der starken Konkurrenz ist der private Produzent gezwungen, den Bedarf für immer neue Gegenstände zu wecken. Das hat der Volks wirtschaft auf der einen Seite eminente Vorteile gebracht, auf der anderen aber ungeheure Nachteile. Der private Produzent kennt nur ein Interesse: Sein Interesse. Nur so ist es zu erklären, daß heute so viel unnütze, ja sogar schädliche Dinge auf den Markt gebracht werden. Eine Kontrolle der privaten Produzenten durch den Konsu menten oder durch dessen Sachverständige: Hygieniker, Aesthetiker usw. wäre deshalb wünschenswert. Wären unsere Industriellen, Land wirte, Händler usw. auf ihr Standesinteresse genügend bedacht, so würden sie sogar selber danach strebend) Scheinbar haben sie aber ein Interesse daran, den jetzigen Zustand aufrechtzuerhalten. Bei dem Bestreben, eine möglichst große Zahl von Abnehmern an sich zu ziehen, spielt die Weckung latenter Bedürfnisse eine ge ringere Rolle als diejenigen Maßnahmen, die das Publikum veran lassen sollen, seine bereits vorhandenen Bedürfnisse in einem bestimmten Unternehmen zu decken. Die Konsumgenossenschaft kennt nur wenige, dafür aber desto wirksamere Mittel, die übrigens ver hältnismäßig wenig Kosten verursachen, um dieses Ziel zu erreichen. Paul Göhre sagt treffend von der Reklame der Konsumvereine: „Sic ist anders geartet als die eines Privatgeschäfts. Sie ist weniger blendend, als letztere gemeinhin zu sein pflegt und immer mehr sein muß, wenn sie wirksam sein will; weniger gewaltsam als letztere, die darauf aus geht, den Käufer unter allen Umständen in den Laden und zu einem Kauf zu bringen; weniger kostspielig und zugleich weniger materiell gerichtet. Viel mehr arbeitet sie vorwiegend mit objektiven Faktoren und mit geistigeren Potenzen."") Unter den Reklamemitteln kann man örtliche und zentrale unterscheiden. Ich nenne hier nur diejenigen Einrichtungen und Maß- 4) Vgl. dazu -die Ausführungen von Benno Jaroslaw in verschiedenen Numniern der Zeitschrift „Der Kaufmann und das Leben", herausg. von Prof. Ur. Arthur Schröter: im besondern siehe den Artikel: Ueber eine -Entwicklungsmöglichkeit des Detailgeschäfts. Nr. 6. 1913/14. 6 ) Paul G ö h r e a. a. O. S. 364. Schloesser, Die konsumgenossenschastliche Gütervcrmittlung. 7