§ 1. Gewerkvereine 20t Mitgliedern geworden. (Ende 1912 betrug die Mitgliederzahl 8366.) In allen deutschen Gauen, wo weibliche Heimarbeit anzutreffen ift, find auch Gruppen des Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen errichtet. Dem Fehlbetrag von 4,31 M., mit dem die Hauptkaffe am Ende des erften Jahres ab|chIo|z, ftand Ende 1911 ein Kaffenbeftand von 31 587,74 M. gegenüber. Der Gewerkverein fucht die Intereffen der Berufsgenoffinnen zu fördern zunächft durch organifierte Selbfthilf e. 1 ) Die ordentlichen Mitglieder, d. h. die Heimarbeiterinnen, zahlen Wochenbeiträge in der Höhe von 10, 15, 20, 30, 40 Pf. und erhalten dafür zunächft einen Krankengeldzufchufz, der fich nach der Beitragshöhe und der Dauer der Mitgliedfchaft verfchieden abftuft, ferner eine Wöchnerinnenbeihilfe und eine Unterftützung bei Streiks und Ausfperrungen. Durch Zahlung eines freiwilligen monatlichen Beitrag* wird es den Mitgliedern ermöglicht, fich für den eignen Todesfall ein Sterbe geld zu fichern. Bis I. Juli 1910 waren an Krankengeld 19 860,50 M, an Wöch nerinnenbeihilfe 2955 M., an Streik- und Ausgefperrtenunterftützung 1501,57 Mark, an Sterbegeld 879,75 M. ausgezahlt worden. — Eine wichtige Wohl fahrtseinrichtung des Gewerkvereins ift der Nähmafchinenfonds, der bis zum Jahre 1910 den Erwerb von 285 Mafchinen erleichterte. Zu diefen Mafchinen ieifteteder Fonds Beihilfen in der Höhe von 5 und 10 Prozent, und zwar ins- ge|amt 3960,20 M. — Verfchiedene unabhängig vom Gewerkverein errichtete Wohlfahrtseinrichtungen kommen den Mitgliedern zugute. So ermöglichen mehrere Erholungshäufer den organifierten Heimarbeiterinnen eine billige und gute jährliche Auffrifchung der Kräfte. Das ältefte diefer Erholungsheime ift die Ernft-Böhme-Stiftung in Buckow, ein anderes hat neuerdings der Verein „Frauenhilfe“ gefchaffen. Das Endziel der gewerkfchaftlichen Tätigkeit, Abfchlufz von Tarifverträgen, hat die Organifation von Anfang an trotz der prophezeiten Schwierigkeiten mutig ins Auge gefaxt. Im September 1905 wurden von der Kaffeier Gruppe die erften Teiltarife mit zwei dortigen Firmen abgefchloffen, die wefentlich beffere Löhne für die tarifierten Stücke brachten. Im Mai 1906 folgten Tarife mit zwei Königsberger Grofzfirmen in der Schirminduftrie, die den beteiligten etwa 160 Arbeiterinnen rund 40 000 M. Mehrverdienft in den drei Jahren der Tarifdauer ficherten. Nach Ablauf der Tarifzeit wurde der Vertrag mit geringen Änderungen erneuert. Im Herbfte 1906 gelang der Abfchlufz von Tarifver trägen in der Schirminduftrie mit fieben Breslauer Grofzfirmen, die den be teiligten 243 Schirmarbeiterinnen pro Jahr rund 20 000 M. Lohnerhöhung brachten. Zur gleichen Zeit kam 'ein Tarifvertrag in Berlin mit einem *) Die Satzungen des Gcwcrkvcrcins im Wortlaut fiehc in Anlage IX.