§ 1. Heimarbeitausftellungen 223 Achtes Kapitel Hilfe von aussenstehenden Kreisen Die Not der Heimarbeiter hat von jeher wohlhabende und wohltätig gefinnte Menfchen, insbefondere auch hochftehende Per jenen, Männer und Frauen aus fürftlichen und adeligen Gefchlechtern, veranlagt, dem Elend durch materielle Unterftützung, durch erzieherifche und ausbildende Förderung zu fteuern. Die getroffenen Maßnahmen waren, wie die Nachwirkungen in fpäterer Zeit gezeigt haben, mehr oder weniger glücklich. Als aber die Kunde von der Heim arbeiternot mehr und mehr ins Volk drang, ergriff ein ftarkes Mitgefühl weitere Gefell{chaftskreife, die nun ihren Wohltätigkeitsfinn auch den Heimarbeitern zuwandten. Allmählich trat auch deutlicher die foziale Pflicht vor die Seele, einer darbenden Menfchenklaffe zu helfen, mit der nicht blojz die Volks zugehörigkeit, fondern vielfach obendrein noch der wirtfchaftliche Zufammcn- hang verband. § 1. Heimarbeitausftellungen Der Gedanke, die Kunde von der Heimarbeiternot, die Vorbedingung zu jeder Hiifsbereitfchaft, durch eine Ausheilung recht weit ins Land hineinzu tragen, tauchte zuerft auf bei den Veranftaltern des Heimarbeiterfchutz- kongreffes, der im März 1904 in Berlin ftattfand. Der Kongrejz war aber faft nur von fozialdemokratifchen Vertretern befchickt und fand fchon aus diefem Grunde nicht jene allgemeine Beachtung, welche der Verhandlungsgegenftand verdient hätte. Die mit dem Kongrefz verbundene Ausftellung war von ge ringelt» Umfange und gelangte zu keiner Bedeutung. Der an fich fruchtbare Gedanke wurde nun aber von weitern fozial inter- effierten Kreifen lebendig erfajzt und erwogen. In den Wintermonaten des Jahres 1906 bereiteten Sozialpolitiker und Volksfreunde der verfchiedenften Richtungen in Berlin eine Ausftellung ganz eigner Art vor — die er ft e Heimarbeitausftellung — um das richtige Verftändnis für die allerdings vielverbreitete, aber häufig in fcheuer Zurückgezogenheit lebende Heimarbeit in weite Volkskreife zu tragen. Die Ausftellung war, als erft