§ 3. Bereitstellung von Kapital und motori[eher Kraft 245 Die Frage nach dem Vorteil der Elektrizität wird nach zwei Richtungen hin geftellt: ob die Elektrizität geeignet ift, die Hausinduftrie zu erhalten, und ob fie den Hausarbeitern eine beffere foziale Lage bringt. Will man die Heimarbeit erhalten, fo wird man ihr auch das erhalten müffen, was fie dem Fabrikanten wünfehenswert macht: die Möglichkeit, fich der Konjunktur in weitem Mafze anzupaffen. Mujz die Heimarbeit unter genau denfelben Beding ungen arbeiten wie die zentralifierte Fabrikarbeit, fo wird fie, obfehon durch Kraftbetrieb technifch ebenbürtig, ebenfowenig mit diefer in ausfichtsvollen Wettbewerb treten können wie der Heimarbeiter des 18. Jahrhunderts mit der Manufaktur. v ) Das Prinzip der Arbeitsteilung und Arbeitszerlegung, das in der Fabrik mit viel mehr Erfolg durchgeführt werden kann als in der dezentralifierten Hausarbeit, die Möglichkeit einer feinen Organifation der Arbeit, gibt der Fabrik ftets einen ungeheuren Vorfprung gegenüber der Haus induftrie. — Zweifellos hat indes die Einführung elektrifcher Kraft die Auf- löfung der Heiminduftrie vielfach aufgehalten und felbft zurückgedrängt. Auch die Lebenshaltung der Hausarbeiter ift infolge der technifchen Er leichterung nicht feiten gehoben worden. Da|z etwaigen fozialpolitifchen Ge fahren durch Lohnfeftfetzungen am beften begegnet wird, wurde bereits dargelegt. Ein Übclftand ift jedoch ftets das durch Kapitalaufwand erhöhte Rifiko der Hausarbeiter. Eine weitere wichtige Hilfe findet die Heimarbeit durch die E r r i c h t u ng von Fachfchulen und Lehrwerkftätten feitens der Behörden oder Privater. * 2 ) Zum Teil dienen fie der EinführungneuerArbeits- zweige, fo die Aktion zur Einführung der Korbmacherei anftatt der zurück gegangenen Knopfhäkelei im Kreife Rybnik in Schlefien auf Anregung der Regierung. Der Herzog von Ratibor pflanzte Weiden an und ftellte das Gebäude für eine Lehrwerkftätte zur Verfügung. Die ebenfalls zur Einführung der Korbflechterei 1882 begründete Korbflechtfchule zu Grävenwiesbach auf dem Taunus erhält einen jährlichen Staatszufchu|z von 5000 M. zu den Einkünften aus dem Warenverkauf. Bei allen Neueinführungen und Begünftigungen von Hausinduftrien ift jedoch ftets zu bedenken, da|z den alten wefent- lichen Gefahren der Hausinduftrie von vornherein durch Lohn tarife und ähnliche Feftfetzungen vorgebeugt werden mu|z. Die meiften Beftrebungen diefer Art gelten jedoch der Hebung und Veredlung bereits beftehender Hausinduftrien. Eine *) Vgl. L e w i n s k i, Elektromotoren und Hausinduftrie, in Zeitfchrift für die gefamte Staatswiffenfchaft von K. Bücher (1909) 483—489- 2 ) Vgl. die Angaben bei Bittmann in Hausinduftriepflege, Wien 1909-