daher nur cum grano salis verwendbar sind, so stehen einer allgemeinen Erhebung über das in den industriellen Unternehmungen angelegte Kapital unüberwindliche Hindernisse entgegen, die jede zuverlässige Angabe unmöglich machen. 1 Schon vor dem 12. Census und früher hatten namhafte Statistiker und Mitarbeiter des Census diese Unmöglichkeit mehrfach hervorgehoben. 2 Die Angaben über das Kapital im 13. Census — es wird unter der Bezeichnung „Capital“ das gesamte in den Unternehmungen angelegte Kapital,- own and borrowed, aufgeführt — entsprechen denn auch so wenig der Wirklichkeit, daß in den einführenden Vorbemerkungen zur Gewerbestatistik auf ihre Bedeutungslosigkeit hingewiesen werden muß. 3 Wenn in den Vorbemerkungen als Grund dieser Unzuverlässigkeit der für das Kapital ermittelten ­ Zahlen die ungenügende Buchführung besonders der kleineren Unternehmungen und die bei Einbeziehung des fremden Kapitals in dieselbe Zahl mit dem eigenen Kapital unvermeidlichen Doppelzählungen hingestellt werden, so trifft dies wohl zum Teil zu. Als hauptsächliches Hindernis aller derartigen amtlichen Erhebungen ist aber einerseits die Abneigung der Unternehmer und leitenden Persönlichkeiten, aus Furcht vor der Steuerbehörde und der Konkurrenz über die Vermögens Verhältnisse und über die Höhe des beanspruchten Kredits wahrheitsgemäße Auskunft zu geben, anderseits die Unkontrollierbarkeit dieser Angaben anzusehen. Anders liegen die Verhältnisse, wenn man die statistischen Untersuchungen über das Kapital auf diejenigen industriellen Unternehmungen beschränkt, die gesetzlich verpflichtet sind, regelmäßige Veröffentlichungen über ihre Geschäftsführung und ihre Vermögensverhältnisse zu machen. Unter ihnen nehmen in Deutschland die Aktiengesellschaften (einschl. Kommanditgesellschaften auf Aktien) die hervorragendste Stellung ein sowohl wegen ihrer weiten Verbreitung auf allen Gebieten des industriellen Erwerbslebens, als auch wegen der Höhe des in ihnen angelegten Kapitals. Die jährlichen Veröffentlichungen der Aktiengesellschaften, die Bilanzen und die Gewinnund Verlustrechnungen, haben bereits vielfach als Material für wirtschaftliche Untersuchungen gedient. Jedoch beschränkt sich die amtliche und private Statistik, abgesehen von monographischen Darstellungen von Aktiengesellschaften oder Gewerben, auf die Verwendung der Posten der Passivseite, die, sofern sie nicht lediglich den Bestand dieser Posten ergeben sollen, zum Zwecke der Feststellung der Rentabilität der Aktiengesellschaften herausgegriffen werden. Neben den jährlichen amtlichen Bestands- und Rentabilitätsstatistiken Preußens 4 und des Reiches 5 sind an privaten Rentabilitätsstatistiken der deutschen Aktiengesellschaften zu nennen die Arbeiten von Engel 6 , v. d. Borght 7 und Wagon 8 , die zugleich eine Geschichte der deutschen Aktiengesellschaften ­ bieten. Zweck, Methode und Material der vorliegenden Arbeit. Sieht man von den Gewinn- und Verlustrechnungen ab, deren oft übertriebene Zusammenziehung ­ der einzelnen Posten sie zu einer umfassenden statistischen Bearbeitung fast unbrauchbar macht, so bieten die Bilanzen allein noch das Bild des finanziellen Aufbaues der Unternehmungen; sie geben auf der Passivseite die Höhe und die Art des zur Verfügung stehenden Kapitals an, während die Aktivseite die Verteilung dieses Kapitals im Unternehmen zeigt. In den nachfolgenden Ausführungen soll versucht werden, diese Verhältnisse bei den Aktiengesellschaften ­ der verschiedenen Industrien in einzelnen Jahren und im Durchschnitt einer Reihe von Jahren statistisch festzustellen. Ein Zeitraum von 10 Jahren erscheint hierfür als ausreichend, da 1) Siehe Hesse S. IX, 51. 2) The Federal Census, Critical Essays by members of the American Economic Association 1899. S. 257 — 302: S. N D. North, Manufactures in the Federal Census. S. 285: Walker. 3) Bd. 8, r. Chapter, Introduction and general explanations; „Statistics of Capital in the present Census have almost no significance“. 4) Die erste Statistik der preußischen Aktiengesellschaften ist enthalten in dem „Statistischen Jahrbuch für den Preußischen Staat“ Jahrgang 1904 und wird seitdem jährlich fortgeführt. 5) Zum erstenmal veröffentlicht in den „Vierfeljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches“, Ergänzungsheft ­ zu 1909, II, „Die Geschäftsergebnisse der deutschen Aktiengesellschaften im Jahre 1907/08“, und in dem „Statistischen ­ Jahrbuch für das Deutsche Reich“ Jahrgang 1909, dann jährlich wiederkehrend, 6) Die erwerbstätigen juristischen Personen, insbesondere die Aktiengesellschaften im preußischen Staate. Berlin 1876. 7) Statistische Studien über die Bewährung der Aktiengesellschaften. Jena 1883. III. Bd., I. Heft der Sammlung nationalökonomischer und statistischer Abhandlungen des staatswissenschaftlichen Seminars zu Halle. 8) Die finanzielle Entwicklung deutscher Aktiengesellschaften von 1870—1900. Jena 1903. 39. Bd. der unter 7) angeführten Sammlung. Die Arbeit von v. Körösi; Die finanziellen Ergebnisse der Aktiengesellschaften während des letzten Vierteljahrhunderts ­ (1874— 1898). Berlin 1901 behandelt die Budapester Aktiengesellschaften, die sich wesentlich nur durch das Vorhandensein von Aktieusparkassen von den deutschen unterscheiden.