15 apanische Regieruug, daß Aktien von Eisenbahnen, Banken und industriellen Unternehmungen von Ausländern erworben würden. Man wollte offen bar verhindern, daß die inländischen Unterneh mungen in fremde Abhängigkeit geraten. Aehn- liches kann auch bei Schuldenaufnahmen Vor kommen. Wir sehen, daß die Regierungen heute dahin tendieren, die Kreditverhältnisse entscheidend zu beeinflussen. Da Anleihen auf lange Zeiträume aufgenom men werden, ist das Risiko nicht gering. Ganz abgesehen von der wechselnden Zahlungsfähig keit eines Staates, ändert sich der Zinsfuß und die Kaufkraft des Geldes in längeren Zeiträumen recht erheblich. Ist das Risiko groß, so muß die Regierung meist eine höhere Verzinsung bewil ligen. Sie kann aber den Absatz der Anleihe auch durch Privilegien erleichtern, indem sie z. B. verfügt, daß bei Kautionen die Anleihen zum Nominale an genommen werden, oder daß bestimmte Gelder ganz oder zum Teil in Renten angelegt werden müssen. Freilich wird auf diese Weise der Industrie und Landwirtschaft nicht selten Geld entzogen. Wenn die Regierung eine Anleihe emittiert hat, ist sie zunächst am Kursstand der Anleihen nicht immer interessiert, am meisten dann, wenn sie neue Anleihen beabsichtigt. Es kommt nicht selten vor, daß sie Banken beauftragt, den Kurs der Anleihen zu halten. Dies geschah z. B. wäh rend des russisch-japanischen Krieges seitens Rußlands. Die russischen Renten waren zuweilen geringeren Kursschwankungen ausgesetzt, als die Renten anderer Staaten, weil einige Bankhäuser intervenierten. Man könnte nun meinen, daß dies Kurshalten keinen Gewinn bringe, da doch der Kurs nur dadurch gehalten werde, daß man die Renten selbst zu einem höheren Kurse kauft. Dies ist aber deshalb nicht richtig, weil ja eine relativ geringe Quantität von aufgekauften Renten häufig ausreicht, den Kurs der übrigen zu stützen. Sehen die Rentenbesitzer, daß sich der Kurs hält, so verzichten sie auf die Veräußerung der Renten, während ein geringes Sinken des Kurses oft rasche Kursstürze zur Folge hat, wenn überhaupt einmal Mißtrauen auf dem Markte Platz gegriffen hat. Einige, die das Sinken der Kurse beobachten, verkaufen rasch, um nicht noch mehr zu verlieren. Durch diese Verkäufe selbst wird der Kurs weiter sinken, was wieder neue Verkäufe zur Folge hat. Umgekehrt treibt das Publikum zuweilen auch die Kurse in die Flöhe. Wir sehen schon aus diesen flüchtigen Be merkungen, daß man aus der Tatsache der Kurs veränderung nur wenig schließen kann, ebenso wenig aus der Höhe des Zinsfußes, mit dem ein Staat seine Anleihen ausstatten muß, um Geld zu bekommen. Wenn der Rentenkurs niedrig ist, so glauben viele, daß dies nur daraus zu erklären sei, daß der Kredit des Staates unterhöhlt ist und die Zeiten schlecht sind. Dies ist manchmal richtig, aber keineswegs immer. Der Kurs der Renten kann gerade deshalb niedrig stehen, weil ein allgemeines Blühen und Gedeihen einsetzt welches den Industriellen große Gewinne sichert. Nehmen wir an, im ersten Zeitpunkt in Tabelle XVII trage die Staatsrente 4 K jährlich, der Zins fuß, zu dem Einlagen verzinst werden, sei mit 4% angesetzt. Das heißt 100 K tragen mir in der Bank ebensoviel, wie eine Staatsrente; wenn ich nun mein Geld ebenso gerne in Staatsrenten, wie als Einlage verzinse, so werde ich eine Staats rente, die mir 4 Kronen trägt mit 100 Kronen zu kaufen bereit sein. Nun steige die Ver zinsung in der Bank auf 8 %, die Gründe können verschiedene sein. Es kann dies damit Zusammenhängen, daß man sehr schwer Geld be kommt, aber möglicherweise auch damit, daß die Dividenden der Aktiengesellschaften im Steigen begriffen sind. Die Banken müßten fürchten, ihre Einleger zu verlieren, da sie ihr Geld lieber zum Aktienankauf verwenden, als es in die Bank zu legen, falls der Zinsfuß nicht in die Höhe geht und dazu anreizt, Geld in die Bank zu tragen. Die Banken können aber in solchen Zeiten wieder höhere Zinsen ihren Einlegern Zusagen, weil sie ja selbst Aktien kaufen und daher an den er höhten Gewinnen partizipieren. Dies Steigen des Zinsfußes, das mit einem Gedeihen der Industrie zusammenfällt, bewirkt sofort ein Fallen des Rentenkurses auf die Hälfte. Ein Papier, das mir 4 Kronen trägt, würde ich nur mit 50 Kronen be zahlen, wenn ich in der Bank für 100 Kronen 8 Kronen Zinsen bekomme. Wir sehen an diesem Beispiel, daß zuweilen ein niedriger Rentenkurs eine Folge allgemeinen Aufschwunges sein kann. Umgekehrt wie der steigende Zinsfuß, wirkt der fallende Zinsfuß. Der fallende Zinsfuß selbst kann wieder verschiedene Ursachen haben. Er kann auf eine abnehmende Geldknappheit hinweisen, aber auch auf ein Stagnieren in den Unternehmungen, die sich nur niedrig verzinsen. Tabelle XVII. Abhängigkeit der Rentenkurse vom Zinsfuß Zeit punkt Staatsrente trägt jährlich Einlagen zinsfuß Kurs der Staatsrente t, 4 K 4°/o 100 K *2 4 K 8°/ 0 50 K t 3 4 K 2°/ 0 200 K Wir müssen uns eben in allen solchen Fällen vor allzu schnellen Urteilen hüten. Das gilt insbesondere auch von der Höhe des Zinsfußes. Der hohe Zinsfuß kann auf große Dividenden hindeuten, er kann aber auch der Ausdruck äußersten Mißtrauens sein. Nehmen