24 rechnen. Die Arbeitskräfte, die in den Luxus industrien tätig sind, werden vielleicht — soweit sie nicht einberufen werden — in der Lebens mittelindustrie Verwendung finden. Es sind dies alles Fragen, die einer ein dringenden Bearbeitung harren. Vergessen wir nicht, daß wir bis jetzt nur eine unzureichende Produktionsstatistik besitzen, und daß es großer Mühe bedarf, um dieselbe auch nur in grober An näherung für den Kriegsfall umzurechnen. Praktische Fragen dringendster Art treten an die Zivil- und Militärverwaltung heran; an erster Stelle steht die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Kohlen. Insbesondere muß die Frage historisch und systematisch studiert werden, wie die Großstädte entsprechend ver sorgt werden können. Im allgemeinen werden diese Studien immer von Fall zu Fall angestellt, ohne daß ausreichende Vorarbeiten vorliegen würden; fehlen doch bis jetzt geeignete kriegs wirtschaftliche Institute. Wenn die Verpflegung der Großstädte in Betracht gezogen wird, muß man einerseits die Möglichkeit der Zufuhr, ander seits die Möglichkeit der Magazinierung erwägen. Je größer die Magazine und die eingelagerten Nahrungsmengen sind, desto später werden die Bahnlinien für die Großstadtverpflegung in An spruch genommen werden, desto länger stehen sie der Mobilisierung ungestört zur Verfügung. Sind die aufgestapelten Warenmengen zu gering, so muß schon während der Mobilisierung die Einschaltung von Lebensmittelzügen für die Zi vilbevölkerung veranlaßt werden. Es ergibt sich so die Notwendigkeit, einen allgemeinen Mobili sierungsplan auszuarbeiten, der nicht nur die Armee umfaßt, sondern die gesamte soziale Struktur und auch auf die verbündeten Staaten Rücksicht nimmt. Wie wichtig für den militäri schen Widerstand entsprechende Vorsorgen sein können, beweist eine Erfahrung aus dem russisch japanischen Kriege. Rußland hatte bereits im Jahre 1904 einen zweijährigen Lebensmittelvorrat auf der Insel Sachalin angehäuft. Der Vorrat reichte für die Zivil- und Militärbevölkerung aus. Hätte er z. B. nur für die Militärbevölkerung allein aus gereicht, so würde die Insel bald dem Feinde in die Hände gefallen sein. Dies alles läßt die For derung gerechtfertigt erscheinen, die insbesondere in Deutschland von Kriegswirtschaftlern vertreten wird, daß gemischte Kommissionen, bestehend aus Zivil- und Militärpersonen, ständig die Ge samtmobilisierungsvorkehrungen beraten und er gänzen. Im Weltkriege der Zukunft dürfte insbeson dere die Getreideversorgung eine große Rolle spielen und daher auch das Vorhandensein von Magazinen. Wir sehen deutlich im modernen Staat wieder das Bestreben auftauchen, die Getreide versorgung der staatlichen Kontrolle zu unter stellen oder sogar dem Staate direkt zu über tragen. Zu Ende des 19. Jahrhunderts haben der artige Anträge die Agrarier Deutschlands und die Sozialisten Frankreichs gestellt, augenblicklich denkt man in Rußland eifrig über diese Frage nach. Die Entwicklung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens dürfte mit dazu beitragen, die Schaffung von Magazinssystemen, die ganze Reiche umspannen, zu beschleunigen. Wir sehen die landwirtschaftlichen Genossenschaften heute in der ganzen Monarchie in reger Tätigkeit be griffen, sie erleichtern dem Bauer durch Ver kaufsgelegenheiten den Absatz seiner Waren und können durch Schaffung geeigneter Lagerhäuser auch der Heeresverwaltung von großem Vorteil sein. In Serbien scheint das Vorhandensein von Dorfspeichern der Armee willkommen gewesen zu sein, auch sollen die Genossenschaften sich in mancher Richtung bewährt haben. ln welcher Weise könnte die Heeresver waltung diese 'Entwicklung des Genossenschafts und Lagerhauswesens für sich ausnützen? Die Heeresverwaltung ist an zwei Dingen vor allem interessiert, an der Lage, eventuell auch an der Ausführung des Magazins und an dem Vorhan densein von Minimalvorräten. Bis jetzt sind nur einzelne Fälle vorgekommen, daß die Aimeever- waltung mit Genossenschaften Lieferungsverträge abgeschlossen hat, in denen z. B. ausdrücklich be züglich des von der Genossenschaft zu errich tenden Lagerhauses eine Minimaldistanz von dem Verpflegsmagazin angegeben erscheint. Es wäre sehr gut denkbar, daß die Armeeverwaltung prinzipiell mit allen neu zu gründenden Lagerhäusern Verträge abschließt, durch welche bestimmt wird, wo und in welcher Weise die Magazine anzulegen sind, aus denen die Armee verwaltung Lieferungen bezieht. Für einen garantierten Minimalvorrat könnte die Armeeverwaltung z. B. eine bestimmte Ver zinsung Zusagen. Es ist hier nicht der Platz, auf einzelne Schwierigkeiten einzugehen, die sich ins besondere aus den verschiedenen Bedingungen ergeben, unter denen die gemeinsame Intendanz und unter welchen die beiden Landwehrinten danzen arbeiten. Bis jetzt fehlt jedenfalls eine systematische Ueberprüfung der Frage, wie sich eine Subventionierung bestimmter Lagerhaustypen, nach Analogie der Subventionierung von Motor fahrzeugen, bewähren würde. Ein Budgetposten dieser Art könnte leicht von den Delegationen und den Parlamenten be willigt werden, weil er indirekt eine Förderung des Genossenschaftswesens bedeutet. Freilich müßte dann für eine Kontrolle der Genossen schaften, welche für die Armee liefern, durch Re gierungs- oder Armeekommissäre Sorge getragen werden. Aber das sind Einzelheiten, die hier nicht näher erörtert werden können. Es handelt sich dabei um Maßnahmen, wel che nicht beliebig aufgeschoben werden können- Es besteht ja gar keine Garantie, daß die heute