25 — zufällig entstehenden Lagerhäuser sich schließlich zu einem für Kriegszwecke brauchbares System werden ergänzen lassen. Später ist eine Remedur schwer und nur mit großen Kosten möglich, während bei Neugründungen Eingriffe relativ leicht möglich sind. Aber die Heeresverwaltung kann durch Förderung der Genossenschaftslagerhäuser nicht nur dafür Sorge tragen, daß das vorhandene Getreide unmittelbar zu ihrer Verfügung steht, sie kann dadurch geradezu zur Vermehrung der Produktion beitragen, das heißt, die Schlag kraft des Landes mächtig heben. Sind Lager häuser vorhanden, so kann der Bauer unter weit günstigeren Umständen als sonst verkaufen. Freilich kommen bei der Schaffung eines Lagerhaussystems auch rein militärische Punkte in Frage. Nehmen wir z. B. Ostgalizien an. Wir sehen, daß nur Westgalizien durch Krakau, Ja- roslau, Przemysl, vollwertig gedeckt erscheint, die weniger bedeutenden Befestigungen, welche weiter nach Osten vorgeschoben sind, beschränken sich aber im allgemeinen auf die Dnjesterlinie und auf einige Punkte nördlich von Lemberg, Der äußer ste Osten ist so gut wie unbefestigt. Es fragt sich nun, ob es zweckmäßig ist, auch in jenen Gebieten, die dem Gegner leichter zugänglich sind, Magazine zu errichten und anzufüllen. Anderer seits wieder würde die Entblößung bestimmter Ge biete von Magazinen den Gegner über den Kriegs plan unterrichten, sowie die Bevölkerung empfind lich beunruhigen. Es hat z. B. 1912 und 1913 sehr deprimierend gewirkt, daß manche Aemter und Banken Wertgegenstände und Akten nach dem Westen abtransportierten und es gibt manche, die im Interesse des Prestiges dafür sind, solche Objekte aufzuopfern. Es wäre denkbar, daß man auch dort, wo ein Einfall des Gegners leichter möglich ist, Magazine anlegt und füllt, um sie gegebenenfalls in die Luft zu sprengen; es ist ein militärpoliti sches Problem, ob man für das Prestige so große Opfer bringen will. Ich habe auf diese sehr verwickelten Fragen hingewiesen, um zu zeigen, welche Momente bei den oben berührten Berech nungen mit zu berücksichtigen sind, wenn sie wirklich praktische Bedeutung erlangen sollen. Das hier skizzierte Magazinssystem hat aber nicht nur militärische, sondern vor allem auch allgemeine Bedeutung. Es würde dazu beitragen, die Preise der Lebensmittel stärker als dies heute möglich ist zu regulieren. Dies wäre insbeson dere dann der Fall, wenn, wie dies Graf Kanitz im deutschen Reichstag verlangt hat, der Staat den Getreideimport in die Hand nimmt. Es sei übrigens ausdrücklich hervorgehoben, daß Graf Kanitz in der Begründung seines Vorschlages auch die militärische Wichtigkeit desselben her vorhob. Daß große Unternehmungen dieser Art öffentlichen Charakter tragen, ist heute nichts Seltenes. Wir sehen insbesondere die Gemeinden immer häufiger, Gaswerke, Elektrizitätswerke usw. aber auch Brauhäuser, Hotels übernehmen. In Italien wird insbesondere auch die Broterzeugung kommunalisiert. In Oesterreich-Ungarn weist nur Welschtirol zahlreiche Gemeindebäckereien auf. Es handelt sich dabei um ältere Rechte welche sogar die Gewerbeordnung überdauert haben. Die Gemeinden besitzen häufig das Back monopol, gelegentlich auch das Fleischaus- schrotungsmonopol. Diese Zentralisation des Back betriebes wurde in jüngster Zeit dazu ausgenützt in den Gegenden, welche besonders stark unter der Pelagra leiden, durch Bereitung guten Brotes die Bevölkerung hygienisch zu fördern. Es wurden sogenannte Pelagrabäckereien geschaffen, welche das alte Monopolrecht erwarben. Diese Bäckereien — eine befindet sich z. B. in Riva — sind ganz modern eingerichtet und besitzen elektrischen Betrieb. Es ist eine wichtige Frage, wie weit im Zukunftskriege die Zentralisation der Brotberei tung eine Rolle spielen wird. Soweit diese großen Bäckereien an wichtigen Aufmarschstraßen liegen, können sie sicher gute Dienste leisten, zumal sie ihre Leistungsfähigkeit steigern können. Aber im großeu und ganzen scheint die Tendenz vorzu herrschen im Operationsraum selbst zu backen und die Bäckereien möglichst nahe an die Truppe selbst heranzuschieben — erspart man doch so unter anderem den Transport der im Brot ent haltenen nicht unerheblichen Wassermassen. Die Serben haben während des Balkankrieges in Nisch große Bäckereien errichtet gehabt und sollen mit dem Nachschub nicht gerade schlechte Erfahrungen gemacht haben, solange es ihnen überhaupt gelang, das Brot den Truppen, welche im Gebirge manövrierten, zukommen zu lassen. Die Neigung, das Backen möglichst nahe der Front vorzunehmen, hat ja auch dazu geführt, daß die Handbäckerei im militärischen Friedens betriebe notwendigerweise eine so große Rolle spielen muß, trotz seiner erheblichen Unappetit- lichkeit und geringeren Leistungsfähigkeit. Ebenso wie der Staat die Lagerhäuser für den Kriegsfall durch Subventionierung fördern kann, unterstützt er bereits in reger Weise auch das Transportwesen. Bisher sind es vor allem Lastenautomobile, die dabei in Betracht kommen. Wir können uns aber sehr wohl denken, daß diese Subventionierungspolitik viel größere Dimen sionen annehmen und sich insbesondere auch auf die landesüblichen Fuhrwerke er strecken könnte, auf welche die moderne Armee heute unter allen Umständen angewiesen ist. Es wäre sehr viel erreicht, wenn für jedes der cha rakteristischen Gebiete bestimmte Typen als mili tärisch subventionierbar erklärt würden. Man könnte dann, ohne den Gebräuchen der einzel nen Teile Oesterreich-Ungarns zu nahe zu treten, was einen erheblichen Widerstand der Landbe völkerung hervorrufen würde, erreichen, daß we nigstens die neu zu erbauenden Wagen inner halb der landesüblichen Form bestimmte Bedin gungen erfüllen könnten.