30 Tabelle XXII. Liquiditätsschema Zeitpunkt A B C D Akt. Pass. Akt. Pass. Akt. Pass. Akt. Pass. t, 100 D 100 K © 100 B 100 A 100 C 100 B 100 D 100 C 100 A ^2 100 D — 100 K © 100 C 100 B 100 D 100 C 100 A ^3 100 D — — — 100 K © 100 D 100 C 100 A t 4 100 D — — — — — 100 K © 100 A t 5 100 K © — — — — — — — einstellen, sondern vielleicht nur mit 50 K be werten. Ebenso wird vielleicht C gegenüber der Forderung des B vorgehen, auch A wird gegen über D das gleiche tun. Es können dann zu einer Zeit, in der die Schulden noch gar nicht fällig sind, die Gesamtpassiven des Systems durch diese Antizipationen bereits größer sein, als die Ge samtaktiven! Selbstverständlich ist der vorliegende Fall sehr schematisiert. Es ist angenommen, daß B gegen C zahlungsunfähig wird, in demselben Augenblicke, in dem er von A Geld bekommt. Aber dies ändert an der Brauchbarkeit der ganzen Betrachtung nichts. Es gibt immer eine praktisch bedeutsame Dauer der Zahlungsabwicklung, welche an irgend einer Stelle der Personenkette ein Abreißen bewirken muß. Diejenigen, welche die Aufrechterhaltung der Geld- und Kreditordnung als eine der Hauptauf gaben der Politik ansehen, treten dafür ein, die Banken und Sparkassen mit derartigen Reserven auszustatten, daß sie allen Anforderungen ge wachsen sein können. Sie übersehen dabei nicht selten, daß eine volle Kriegsbereitschaft, die Ge schäftsbereitschaft erheblich heruntersetzt. Es könnte dazukommen, daß man aus Angst vor einem Kriege, der vielleicht in dreißig Jahren ausbricht, eine ganze Generation lang die Pro duktion und Konsumtion lähmt. Andere wieder sind der Meinung, daß die Liquidität nur ein Mittel zu einem Zwecke sei, nämlich zu dem das Wohlsein aller zu erhöhen. Es könne daher angemessener sein, die Banken nur mäßig für den Kriegsfall vorzubereiten, dafür aber organisatorische Abänderungen der Geld- und Kreditordnung für den Kriegsfall ins Auge zu fassen. Insbesondere rechnen viele mit der Verhängung eines Moratoriums im Kriegsfall, wie es z. B. in Serbien und Bulgarien während des Balkankrieges erlassen wurde. Es wird in einem Weltkrieg ein Moratorium wohl kaum zu vermeiden sein, und es empfiehlt sich daher wohl, dies Moratorium von vornherein in Rechnung zu stellen. Damit ist ja noch lange nicht gesagt, daß die Banken keine Kriegsvorbereitungen treffen müssen; nur sind dadurch gewisse Grenzen gegeben. Es ist wohl zweckmäßiger, man macht sich das alles vorher klar, als daß man von den Banken und Finanzministerien wirkliche Kriegsbereitschaft erwartete, um dann im Ernstfall — oft zu spät — zu erfahren, daß doch diesen Erwartungen nicht genügt werden konnte. Derartige peinliche Eröffnungen in kritischen Zeiten sind nichts Sel tenes, sie sind vor allem eine Folge der zu weit getriebenen Ressortautonomie ; der eine Teil der Gesellschaft weiß nicht genau, was der andere tut, und die Gesamtheit ist sich über ihr Ver halten erst recht nicht im klaren. Jeder vertraut auf den anderen und schließlich können arge Enttäuschungen das Resultat sein.