46 und kaum zu lösende Schwierigkeiten hinweisen. Freilich die Wirklichkeit wartet nicht darauf, daß man alle Probleme löst, ehe man handelt und immer wieder ist der Mensch gezwungen, energisch und ohne Zögern auf Gebieten vorzugehen, die er keineswegs übersieht. Aber wenn er schon ohne ausreichende Einsicht handeln muß, dann soll er dies wenigstens wissen. Dann wird die Tendenz Zurückbleiben, un aufhörlich an der Erringung von Einsicht zu ar beiten. Daran können alle Parteien in gleicher Weise mitwirken. Man kann den Mechanismus von Gewehren studieren, ohne sich damit für oder gegen die Benützung der Gewehre zur Tötung von Menschen auszusprechen. Ich kann am Schluß nur nochmals wieder holen, daß die Kriegswirtschaftslehre vor allem eine kontinuierliche Pflege benötigt. Alle Kultur beruht auf Erfahrungen und deren den Verhält nissen entsprechende Verwertung. Die Kriegswirt schaftslehre wird immer bedeutsamer, weil die Kriegslasten immer stärker anwachsen, weshalb man ihre Einwirkung auf dem Volkskörper syste matisch studieren muß, soll nicht einmal ein Zu sammenbruch stattfinden, den man nicht voraus gesehen hat. Man ist heute mehr als früher darauf aus» die Belastungen der Bevölkerung, möglichst zweck mäßig zu verteilen. Es gibt Fälle, in denen die Kriegsrüstung anregend, andere in denen sie lähmend wirkt. Diese Wirkungen genau zu unter suchen und festzustellen, wann das eine, wann das andere geschieht, ist eine Hauptaufgabe der Kriegswirtschaftslehre. Alle diese Probleme haben dazu geführt, daß ich die Gesamtorganisation in den Mittel punkt der Betrachtung gerückt habe. Insbeson dere auch die Organisation der internationalen Welt. Nur wenn man ganze Staatenverbände be rücksichtigt, kann man die Wirkungen eines Weltkrieges einigermaßen richtig prophezeien lernen. Aber auch das kann nicht die Arbeit ein zelner sein. Nur emsige Kooperation wird Erfolg in dieser Richtung bringen. Insbesondere dürfte das Zusammenwirken von Armee- und Zivilver waltung in der nächsten Zeit eine größere Rolle spielen als bisher. Armee- und Zivilverwaltung haben ihr eigenes Leben. Das hat einen be stimmen sozialen Zweck, aber diese Selbständig keit kann auch zu Reibungen führen und zu un nützer Kraftverschwendung. Derartige Konflikte kommen aber nicht nur zwischen Zivil und Armee vor. Auch innerhalb der Armeeverwaltung und innerhalb der Zivilverwaltung gibt es Ri valitäten, die zuweilen lähmend wirken. Diese lähmenden Wirkungen sind umso stärker, je fremder man einander gegenübersteht, je seltener gemeinsam gearbeitet wird. Wird die Kriegs organisation zu etwas, das alle Teile der Armee- und Zivilverwaltung angeht, an der also gemein same Kommissionen dauernd mitwirken, dann nimmt auch das gegenseitige Verstehen zu, und es wird allen klar, daß eine starke Armee sich dauernd nur in einem starken Volkskörper erhält. Eine Armee, die auf Kosten der Volksgesundheit sich erhält, treibt Raubbau. Freilich in welchem Falle die Armee den Volks körper zu stark in Anspruch nimmt, wann da gegen durch eine Schwächung der Armee die Gesamtheit leidet, das kann man allgemein kaum angeben. Aber das man überhaupt diesen grund legenden Fragen dauernde Aufmerksamkeit zu wendet, wäre bereits ein gewisser Erfolg. Wenn das Verständnis für den Volkskörper zunimmt, dann werden auch die einzelnen Institutionen richtiger gewertet werden, als dies heute vielfach der Fall ist. Alle Teile des Staates haben ein Interesse daran, daß die übrigen Teile gedeihen, ln diesem Interesse für einander besteht das wahre Staats gefühl. Die Einheit des Staates besteht vor allem darin, daß man sich gegenseitig kennt. Diese gegenseitige Kenntnis fördert alle Wissenschaften diesich mit dem Staatsorganismus beschäftigten. Zu ihnen gehört auch die Kriegswirtschaftslehre.