34 — Die Grundlage des ganzen marxistischen Lehrsystems ist nun der sogen, „geschichtliche, historische Materialismus". Um von vornherein ein grobes Mißverständnis auszuschließen, so sei mit allem Nachdruck betont, daß diese große sozialphilosophische Lehre mit dem plattesten philosophischen System, das es. überhaupt gibt, dem des „Materialismus", wonach alles geistige Leben lediglich und ausschließlich auf die Bewegung der Materie zurückzu führen ist, gar nichts zu tun hat. Dieser philosophische Materialismus sucht Antwort zu geben, worauf alle geistigen Vorgänge zurückzuführen sind, der geschichtliche Materialismus dagegen sucht die Triebkräfte der gesellschaft lichen Entwickelung zu erklären!. Er will alles und jedes gesellschaftliche Leben in letzter Linie auf rein wirtschaftliche Vorgänge zurückführen. Er leugnet keineswegs, wie manche Kritiker gemeint haben, die Ideale restlos und will noch vüel weniger alles und jedes restlos auf grob materielle Ge nüsse zurückführen und diese als höchstes Lebensgut preisen. Auch diese ein heitliche und in sich geschlossene Weltanschauung des ökonomischen oder historischen Materialismus erkennt Ideale als wirksam durchaus an, aber sie haben nach ihm keinerlei selbständige Bedeutung, haben keine Urkraft und bilden nicht die,Wurzel der Dinge, alle und jegliche Ideale sind viel mehr weiter nichts als die Schatten, bloße Reflexe wirtschaftlicher Vor gänge. Ihre klarste und knappste Formulierung hat diese Lehre in der Vorrede zu der 1859 erschienenen „Kritik der politischen Oekonomie" ge funden. Dort sagt Marx ß. XI: „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen un abhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwickelungsstufe ihrer materiellen Produktionskräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer Und politischer Ueberbau erhebt, und Melcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den so zialen politischen und geistigen Lebe-nsprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt, ihr gesellschaft liches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwickelung geraten die materiellen Prodüktionskräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen, oder was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb derer sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicke lungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln der selben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Ver änderung der ökonomischen 'Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Ueberbau langsamer oder rascher um." Rach großen, ehernen, unerbittlichen Naturgesetzen müssen wir also alle unseres Daseins Kreise vollenden. Ebenso wie in der Naturgeschichte, so herrscht auch in der Menschheitsgeschichte, im ganzen sozialen Leben, nur allein das Kausalitätsgesetz, Zwecke und Ziel setzungen gibt es nicht, ebensowenig Ideale. Gänz ausdrücklich erklärt Marx: „Sie fd- h. die Arbeiterklasse) hat keine Ideale zu verwirklichen, sie hat nur die Elemente der neuen Gesellschaft in Freiheit zu setzen, die sich bereits im Schoße der zusammenbrechenden Bourgbigesellschaft entwickelt hat." Und weiter in seiner Vorrede zur zweiten Auflage des „Kapital" (S. XVII) be