— 42 — ginnen mit einer ganz kurzen Darlegung seiner außerordentlich schwer ver ständlichen Wert- und Mehrwerttheorie. Gleich eingangs unserer auch hier getreu unserem Programm nur ganz skizzenhaften Erörterung müssen wir aber vor der nicht nur in Laienkreisen sehr weit verbreiteten Auffassung warnen, als ob diese Theorien das Zentrum der ganzen marxischen Na tionalökonomie, der Grund- und Eckstein gewissermaßen seines Lehrgebäu des wären. Niemals hat bei Marx die Wert- und Mehrwerttheorie die ge waltige Bedeutung gehabt wie bei den früheren Sozialisten, etwa Owen, Rodbertus und Lassalle. Niemals hat Marx gelehrt, die Arbeiter erhielten unter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung einen zU niedrigen, unge rechten Lohn und deshalb müsse eine neue gerechtere Wirtschaftsordnung geschaffen werden. Derartige ethische Erwägungen sind dem großen Sozial- philosvphen und Wirtschaftstheoretiker stets durchaus fremd gewesen. Mit seiner berühmten Wert- und Mehrwerttheorie hat er nur den Halt und das innere Gefüge der kapitalistischen Wirtschaftsordnung aufzeigen wollen. Durchaus mit Recht betont Karl Diehl (Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus, 2. Auflage, S. 211), daß auch beim Nachweis der gänzlichen Unrichtigkeit feiner Wert- und Mehrwerttheorie noch gar nichts bewiesen wäre gegen die Richtjgkeit der marxischen These der Naturnotwendigkeit der neuen kommunistischen Wirtschaftsordnung. Engels sagt über das Ver hältnis des Wertgesetzes zum Marxischen Sozialismus überhaupt: „Marx hat nie seine kommunistischen Forderungen hierauf begründet, sondern auf den notwendig sich vor unseren Augen täglich mehr und mehr vollziehenden Zusammenbruch der kapitalistischen Produktionsweise" (Vorwort zum „Elend der Philosophie") Die Grundlage alles und jeden Reichtums der privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung, einer Gesellschaftsform, die nicht Gebrauchswerte für sich, sondern solche für andere, d. h. für den Markt herstellt, ist nach Marx die mensch liche Arbeitskraft. Allen Waren ist bei und trotz ihrer unendlichen Mannig faltigkeit und Vielgestaltigkeit eine Eigenschaft gemeinsam: die von Ar beitsprodukten. ^Abstrahieren wir von dem jeweiligen konkreten Ge brauchswert der Waren, .... so verschwinden auch die verschiedenen kon kreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit." (Marx: „Das Kapital", 8. Auflage, herausgegeben von Friedrich Engels, Band I, S. 4.) Jedes Gut oder jeder Gebrauchswert hat nach Marx nur deshalb einen Wert, „weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm ver gegenständlicht oder materialisiert ist." (S. 5 a. a. O.) Die Größe des Wer tes mißt sich durch das Quantum der in dem Gute enthaltenen wertbilden den Substanz, eben der Arbeit. Den sehr naheliegenden Einwand, daß die menschliche Arbeitskraft als unbedingt gültiger Maßstab für den Wert eines jeglichen Guts schon deshalb völig unbrauchbar fei, weil sie doch je nach der Beschaffenheit ihrer einzelnen Träger, ob faul oder fleißig, geschickt oder ungeschickt, sehr verschiedenartig sei und demnach die-Ware, die ein träger oder ungeschickter Arbeiter in weit längerer Zeit herstelle — demnach auch wertvoller sein müsse als die in kürzerer Zeit von, einem fleißigen und tüchtigen Arbeiter hergestellte, weist Marx selber mit dem Hinweise darauf zurück, daß er nicht die einzelne individuelle Arbeitskraft als Maß-