— 44 — Nehmen wir nun an, so sagt Marx, sechs Stunden Arbeit täglich seien nötig, um, die Arbeitskraft herzustellen und ebensoviel und ebensolche Ar beitszeit stecke in drei Schillingen oder einem Taler. Dann kann der Kapi talist diese Arbeitskraft zu ihrem Werte, d. h. für drei Mark täglich kaufen. Nichts aber hindert den Kapitalisten, der ja die Verfügung über die Ar beitskraft für einen Tag gekauft hat, sie anstatt sechs Stunden volle 12 Stunden auszunutzen. Dias ergibt einen ^Unterschied von sechs Stunden zu Gunsten des Kapitalisten. Sechs Stunden nur sind im Lohne bezahlt, der die Herstellung der Arbeitskraft möglich macht, die anderen sechs Stunden sind unbezahlte Arbeit, Mehrarbeit, Mehrprodukt, Mehrwert. (S. 135—139 a. a. O.) Der ganze Unternehmergew-inn beruht also nach dieser Lyhre lediglich darauf, daß der Kapitalist dem Arbeiter nur einen Teil der von ihm geleisteten Arbeit bezahlt. Für die sozialdemokratische Tagesagitation bildet zwar diese düstere Lehre eine treffliche Waffe — und -noch heute spielt sie in der Presse der „Unabhängigen Sozialdemokratie" eine erhebliche Rolle;— aber entscheidende Schlüsse für seinen Sozialismus hat der Meister selber aus ihr niemals gezogen. Diese ganzen stolzen Gedankengebäüde mögen manche einzelne Wahr heiten in sich schließen, aber in ihrer Gesamtheit sind sie nichts als luftige Hegelsche Konstruktionen!. Eine gewaltige Verkennung der blühenden Wirk lichkeiten des Wirtschafts- und Geisteslebens will es Zunächst bedeuten, alle und jegliche, doch so unendlich verschiedene menschliche Arbeitskraft auf eine „gesellschaftlich notwendige Durchschnittsarbeitskraft und Arbeitszeit" zürück- führen zu wollen. -Völlig unverständlich ist es, wie man den frei schöperi- schen Genius eines Dürer oder Goethe, eines Kant oder Luthers mit der Arbeitskraft eines ehrenwerten Ackerknechts oder Latrinenfegers auch nur im entferntesten vergleichen wag. Niemals wird man selbst bei der scharf sinnigsten Betrachtung anzugehen in der Lage sein, wieviel „gesellschaftlich notwendige Durchschnittsarbeitszeit" denn zur Schaffung des Abendmahls oder des Faust erforderlich gewesen sei. Aber wir brauchen nicht einmal zu den Heroen der Menschheit zu gehen, selbst um die zur Herstellung eines jeden besseren Romans oder jedes den Durchschnitt einigermaßen über ragenden Gedichts oder einer Statue oder eines Gemäldes oder eines brauchbaren wissenschaftlichen Werkes erforderliche gesellschaftliche Arbeits zeit festzustellen, fehlt es an allem und jedem Anhalt. Nur wenn man geflissentlich wie Marx seine- Augen vor der Bedeutung der leitenden Tätig keit des Unternehmers, des Oberingenieurs, des Generaldirektors völlig verschließt, kann man die einfache ungelernte physische Arbeit als Wertmaß- stab zu Grunde legen. Stets wird auch das subjektive Moment bei der Wertschätzung die größte Rolle spielen. Marx wird aber auch in keiner Weise bei seiner Lehre der ungeheuren Bedeutung der Seltenheitswerte und insbesondere der natürlichen und rechtlichen Monopole in unserer Wirt schaft gerecht. Die Werte und Preise unserer Grundstücke, der städtischen wie der ländlichen, und der Bergwerke richten sich in nichts nach der auf ihre Bestellung und Instandhaltung verwandten menschlichen Arbeitskraft, nicht der Arbeitsaufwand, fei es an körperlicher oder geistiger, erzeugt die ge rade in den letzten Jahrzehnten in Deutschland wie allenthalben in der ganzen Kulturmenschheit sprunghaft in die Höhe schnellenden Grundrenten,