49 — ien, diese kleinen wesentlich vorkapitalistischen, vorzugsweise hand werksmäßigen Betriebe umfassen heute nach über ein Drittel der gesamten gewerblichen Bevölkerung. Die in Kleingewerben tätige Arbeiterschaft ver mehrte sich sogar von 1882^1907 noch um rund 28 v. H. Ebensowenig ist von einer „restlosen Aufsaugung" der mittleren gewerblichen Betriebe bei uns die Rede. 1907 waren in industriellen Mittelbetrieben noch fast 4 Millionen Menschen tätig, genau 3,6 Millionen gegen 5,3 Millionen in Großbetrieben. Bon 1882 bis 1907 verNiehrte sich diese Größenklasse immer hin noch um l60 v. H. gegenüber 230 v. H. der Großbetriebe. Gewiß find unleugbar ungemein zahlreiche dieser kleineren Betriebe weiter nichts als „Kapitalshörige", worauf nicht nur der bekannte sozialistische Theoreti ker Karl Kautsky, insbesondere in seiner Erläuterung des sozialdemokrati schen Erfurter Parteiprogramms, sondern auch Merner Sombatt in seinem unübertrefflichen Meisterwerk „Der moderne Kapitalismus" (1. Auflage, Band II) mit allem Nachdruck hingewiesen hat. Aber immerhin wirtschaft liche Abhängigkeit vom (Groß) Kapital bedeutet durchaus nicht technisches, ökonomisches und rechtliches Aufgehen im Großbetrieb, nach wie vor bilden sie für die rechtliche, technische und schließlich auch wirtschaftliche Betrach tungsweise der Dinge selbständige Betriebsgrößen und wirtschaftliche Ein heiten. Noch weit, widerstandskräftiger als in der Industrie hat sich der kleinere und mittlere Betrieb im Handel und im Verkehr erwiesen. Allein in Preußen! vermehrten sich die Kleinbetriebe im Handel und Ver kehr von 1895—1907 weit stärker als die Mittelbetriebe mit 5—50 Hilfs kräften, sie wuchsen an von: 252 020 auf: 433 719, also eine Zunahme von 72 v. H. ,währenkudie Mittelbetriebe stch nur um 52 v. H. von: 28737 auf 45 133 vermehrten. Freilich ist auch hier die Zunahme der Großbetriebe mit mehr als 60—1000 Personen und der Riesenbetriebe mit mehr als 1000 Hilfskräften ganz gewaltig, die Vergrößerungssätze betragen hier nicht we niger als: 223,6 und 871,4 v. H. Hinzu kommt, daß die starke Vermehrung der kleineren Betriebe im Handel und Verkehr keineswegs als erfreu liche volkswirtschaftliche und sozialpolitische Erscheinung betrachtet werden kann. In sehr vielen. Fällen handelt es sich hiev um durchaus minderwertige Zwergbetriebe, die von ungeschulten Kräften, recht oft Strandgut des Le bens begründet werden, um nach kürzer Zeit schon verlustreich zusammen zubrechen, Keinem Zweifel kann es unterliegen, daß der .industrielle Groß betrieb, aber auch in sehr vielen Fällen der Etoßbetrieb im Handel und Verkehr dem kleinen Unternehmer technisch, wirtschaftlich und sozial weit überlegen ist. In ganz anderem Umfange kann er sich die neuesten techni schen Fortschritte und Errungenschaften zu Nutze machen, er kann die teuersten Maschinen, Mdtore und Hilfswerkzeuge einstellen, deren Beschaffung dem einzelnen Kleinunternehmer so gut wie unmöglich ist, er kann die weitaus höheren Löhne zahlen und sich hierdurch die besten und tüchtigsten Arbeiter als Stamm heranziehen, er kann im Großen, in einem gang anderen ge waltigeren Mdßstabe die Rohprodukte einkaufen als der Kleinunternehmer, ihm stehen ganz andere Kredite und sonstige Hilfsquellen zu Gebote als dem Klein-, ja selbst Mittelunternehmer. Die Herstellung im Großen und der Massenabsatz ermöglicht ihm die Stellung weit niedrigerer Preise als dem