— 51 — ■tentcümei, der auf seine Lohnarbeiter angewiesen ist, oft überlegen, min destens gewachsen, sein. Ferner aUf dem ganzen großen und immer größer werdenden Gebiet des K u n st h a n d w e r k s ist der Kleinbetrieb dem Eroßünternehmertum durchaus konkurrenzfähig. Sicher hat unter den grauenhaften Einwirkungen dieses verwüstenden Weltkrieges das Deutsche Handwerk und der gewerbliche Mittelstand überhaupt ganz besonders schwer gelitten und seine Widerstandskraft gegen das Vorwärtsbringen des Groß betriebes 'und des Großkapitals mag erheblich erschüttert sein — in welchem Umfang werden spätere amniche Erhebungen an den Tag lögen — aber es liegt auch kein Grund vor zur Verzweiflung. Die oben kurz angeführten Erwägungen sprechen auch heute nach dem deutschen Zusammenbruch für seine Fortexi,stenz, ja vielleicht wird ihm sogar die ganz sicher eintretende gewaltige finanzielle Belastung des Großkapitals eine gewisse Erleichte rung im Konkurrenzkampf gegen das Eroßünternehmertum 'und die Groß finanz verschaffen. Ohne Zweifel haben wir auch heute noch an der Fort existenz eines lebensfähigen, -blühenden gewerblichen Mittelstandes ein erhebliches sozialpolitisches Interesse. Nur können wir unter den heutigen Produktions- und Verkehrsverhältnissen in zahlreichen Gewerben die un teren Schichten der Kleurunternehmer nicht mehr zu diesem Mittelstand rechnen. „Ihre Existenz rst häufig unsicherer als die der gewöhnlichen Ar beiter, und wenn sie nach einem von vornherein Aussichtslosen Versuch eines minderwertigen Kleinbetriebes ruiniert werden, so bilden diese Deklassier ten ein noch bedenklicheres Element als das unzufriedene Arbeiterprole tariat." (Lexis a. a. O., S. 73.) Durchaus mit Recht schließt Eduard Bernstein in seiner 1899 zuerst erschienenen, zuletzt 1911 wieder aufgelegten glänzendes Schrift: „Die Vor aussetzungen des Sozialismus Und die Aufgaben der Sozialdemokratie", feine Kritik der Marxischen Konzentrationslehre mit folgenden Sätzen: „Wenn der unablässige Fortschritt der Technik und Zentralisation der Be triebe in einer zunehmenden Zahl von Jndustriegweigen eine Wahrheit ist, deren Bedeutung sich heute kaum noch verbohrte Reäktionäre verschweigen, so ist es eine nicht minder feststehende Wahrheit, daß in einer ganzen Reihe von GewerbszweigeN kleinere und mittlere Betriebe sich neben Großbetrieben durchaus .lebensfähig erhalten." Unfd weiter: „Wenn der Zusammenbruch der modernen Gesellschaft vom Schwindender Mittelglieder zwischen der Spitze und dem Boden der sozialen Pyramide abhängt, wenn er bedingt ist durch die Aufsaugung dieser Mittelglieder von den Extremen über und un ter ihnen, dann ist er in England, Deutschland, Frankreich heute seiner Ver wirklichung nicht näher wie zu irgend einer früheren Epoche im 19. Jahr hundert." Völlig versagt -aber hat die „Konzentrationstheorie" auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Die Entwickelungstendenzen gehen hier in durchaus entgegengesetzter Richtung als Marx sie prophezeit hat. Klar und deutlich lehrt uns die amtliche Statistik, daß hier von einer Verdrängung und Aufsaugung der kleineren Und -mittleren landwirtschaftlichen Betriebe durch die Grvßgüter absolut keine Rede sein kann. Gang im Gegenteil: die Entwickelung ist deutlich auf eine Abnahme des ländlichen Groß grundbesitzes und eine Verkleinerung der Vetriebseinheiten gerichtet.