57 elender werde. An zahlreichen Stellen des „Kapital", des „Kommunistischen Manifests" und anderer Werke -von Marx findet sich diese verzweiflungs- nolle Ansicht mit aller Schärfe als unumstößliches, ehernes großes Entwicke lungsgesetz ausgesprochen. Wir verweisen zunächst auf die bereits oben bei der Darlegung der Akkumulationstheorie (S. 53) angeführte berühmte Stelle, wonach mit „der beständig abnehmenden Zahl der Kapitalmagnaten .... wächst die Masse des, Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Ent artung, der Ausbeutung." („Kapital", Band I, 24. Kapitel, 7. Unterab schnitt, Geschichtliche Tendenz der kapitalistischen Akkumulation.) Auf alle alle die bereits wörtlich angeführten Stellen nochmals einzugehen, erübrigt sich hier, wir verweisen nur auf sie. In allen Ent wickelungsstadien seines Lebens hielt der Meister an dieser düsteren Auffassung fest. Bereits im „Kommunistischen Manifeste" (achte Ausgabe, 1912, S. 37) hatte er ausgeführt: „Der Leibeigene hat sich zum Mitglied der Kommune in der Leibeigenschaft herangearbeitet, wie der Kleinbürger zum Bourgois unter dem Joch des feudalistischen Absolutismus. Der moderne Arbeiter dagegen, statt sich mit den Fortschritten der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen feiner eigenen Klasse herab. Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus entwickelt sich nock> schnel ler als Bevölkerung und Reichtum . . . Die Bourgoisie ist unfähig, länger zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst inner halb seiner Sklaverei zu sichern." Und auch noch am Ende seines Lebens hielt er an der Lehre mit voller Ueberzeugung fest und prägt sie in die lapidaren Worte aus: „Das Proletariat ist das seines Elends bewußte Elend, die ihrer Entmenschung bewußte und darum sich selbst aufhebende Entmenschung". (Nachlaß, Band I, S. 397, Band II, S. 132 flg. u. 185.) Auch zur Verelendungstheorie bekennt sich das Erfurter Partei-Pro gramm rückhaltlos und restlos: „Die ökonomische Entwickelung der bürger lichen Gesellschaft trennt den Arbeiter von seinen Produktionsmitteln und verwandelt ihn in einen besitzlosen Proletarier . . . Alle Vorteile der Um wandelung der kleinen Betriebe in Großbetriebe werden von den Kapi talisten und Großgrundbesitzern monopolisiert; für das Proletariat und dis versinkenden Mittelschichten — Kleinbürger, Bauern — bedeutet, sie wach sende Zunahme der Unsicherheit ihrer Existenz, des Elends, des Drucks, der Knechtung, der Erniedrigung, der Ausbeutung." Ein Anhänger des üasfalleschen ehernen Lohngesetzes war Marx nicht, im Gegenteil hat er seine wissenschaftliche Unzulänglichkeit stets auf das Schärfste bekämpft, Im „Kapital" gibt er ausdrücklich zu, daß die Arbeits löhne über das Existergministerium steigen können, nur sind sie niemals in der Lage, die Grundlage des kapitalistischen' Systems irgendwie anzutasten. An die Stelle des ehernen Lohngesetzes setzt Marx die „Lehre von der in dustriellen Reservearmee". „Im großen und ganzen sind die allgemeinen Bewegungen des Arbeitslohnes ausschließlich reguliert durch die Expansion und Kontraktion der industriellen Reservearmee, welche dem Periodenwechsel des industriellen Zyklus entsprechen. Sie sind also nicht bestimmt durch die Bewegung der absoluten Anzahl der Arbeiterbevölkerung, sondern durch das wechselnde Verhältnis, worin die Arbeiterklasse in aktive Armee und Re servearmee zerfällt, durch die Zunahme und Abnahme des relativen Um-