61 — schließlich aller Teuerungszulagen und Wohnungsgeldzuschuß ungefähr 2200 Mark, das des 29jährigen Amtsgerichtssekretärs kaum 3400 Mark, die Tage gelder des 34jührigen preußischen Eerichtsassessors — wie sie heute zu Hun derten anzutreffen sind — soweit er überhaupt kommissarisch beschäftigt ist, hochgerechnet 12 Mark und sein Gesamteinkommen etwa 4000 Mark, ebenso hoch odör richtiger trostlos gering ist, das Anfangsgehalt des jungen 30jähri- gen Pfarrers. Eine derartige Vergleichung aber ermöglicht, wie Lassalle durchaus mit Recht in seinem offenen Antwortschreiben an das Zentral komitee zur Berufung eines allgemeinen deutschen Arbeitervereins >zu Leipzig , (Band I der Gesamtausgabe seiner Werke, S. 19 flg.) hervorhebt, den besten Maßstab für die Beurteilung der Lage der Arbeiterschaft, Um jedwedem Mißverständnis die Spitze abzubrechen, so soll mit der Feststellung dieser Tatsachen in keiner Weise über die Entwickelung der Lohnhöhe ein abfälliges Werturteil ausgesprochen werden, im Gegenteil erscheint diese Steigerung vom sozialpolitischeü Standpunkt des Verfassers aus betrachtet, als hoch erfreulich, Insbesondere an der geradezu phantastischen, unerhörten auf einer Ausbeutung weitester Volksschichten beruhenden Kriegsgewinnen durch skrupellose Ausnutzung der Stellung des Reichs — namentlich beim Kriegsbeginn — bei der Lieferung des gesamten Kriegsbedarfs und Ueberteuerung fast aller Waren, ist es das einzig Versöhnende, daß sie we nigstens zu einem Bruchteil in Gestalt hoher Arbeitslöhne den breitesten Volksschichten zugute gekommen sind. Lediglich um die Unrichtigkeit des Marxischen Verelendungsgesetzes darzulegen, wurden die gewaltig hohen Lohnsätze der letzten Jahre hier ganz kupz mitgeteilt. Nun erhebt sich frei lich — und zwar nicht nur jetzt während der Kriegsjahre, sondern auch schon in der Vorkriegszeit — der sehr gewichtige und ernstlichste Beachtung ver dienende Einwand gegen diese hier vertretene optimistische Auffassung, daß die Steigerung der Löhne nur scheinbar sei, lediglich der Nominallahn werde erhöht, der Reallohn aber bleibe gleich, die Kaufkraft des Lohnes sinke in derartig gewaltigem Maßstab unaufhaltsam, daß hierdurch die Lohnerhöhungen völlig wettgemacht, wenn nicht gar überkompensiert würden. Ernsthafter Nachprüfung hält jedoch diese Meinung nicht Stand, Sehr be achtenswertes Material hierüber bringt die kleine Schrift von Ashley „Das Aufsteigen der arbeitenden Klassen Deutschlands im letzten Vierteljahrhun dert", 1906, Danach war nach Berichten der Kruppschen Konsumanstalt in Essen in den Kruppschen Werken der durchschnittliche Tagelohn im Jahre 1871: 3,30 Mark und im Jahre 1900: 4,78, er stieg also von 100 auf 157 v, H, Die Entwickelung der wichtigsten Lebensmittelpreise dagegen war im glei chen Zeitraume die folgende: für Speck .von 100 auf 102 v, H,, für Rind fleisch von 100 auf 111 v, H. und von Kalbfleisch von 100 auf 121 v, H„ für Kartoffeln dagegen ein Preissturz von ]00 auf 69 und für Roggenbrot von 100 auf 83 v, H, Nach Untersuchungen aus dem Ruhrgebiete (vergl, Schniol- ler: Die soziale Frage, 1918, S, 266) stellt sich der Lebensaufwand,— die Preise von 1886 auf 100 gesetzt — die Verteuerung des Lebens 1886: 100, 1909: 122, 76, die Steigerung der Bergarbeiterlöhne 1886: 100 und 1909: 174,87. Die Lohnsteigerung übertrifft demnach die Verteuerung noch um 52,11 v, H, Hoch interessant ist das Ergebnis, zu welchem der Revisionist R, Calwer (So zialistische Monatshefte, 1908, Band I, S, 479 flg.) gelangt: „Der Nominal-