- 77 — miesen hat. In jeder Großstadt alle paar hundert Schritt ein Zigarrenge schäft. „Das bedeutet, daß die Arbeit eines Armeekorps allein in Berlin dazu nötig ist, um Taback zu verteilen". (Friedenswirtschaft, S. 37. In ein zelnen. Stadtteilen -gibt es kaum ein Hädserviereck, das nicht ein Seifen geschäft oder einen Papierladen in sich birgt. Konsumvereine werden in immer wachsendem Maße die volkswirtschaftlichen. Verteilungsaufgaben dieses verteuernden Kleinhandels an sich ziehen und ihn allmählich bis auf einzelne Reste ganz ausschalten. Die Konsumvereine werden auch Unmittel bar mit den Erzeugern in Verbindung treten und so den bisher viel zu langen, umständlichen und kostspieligen Weg der Waren vom Erzeuger bis zum Verbraucher ganz wesentlich abkürzen und verbilligen. Wahrscheinlich, daß der Anteil des Verbrauchers als solchen und seiner Vereinigungen, der Konsumvereine an der gänzlichem Umgestaltung der Volkswirtschaft Zufolge allmählich llebergang zur Eigenwirtschaft durch Gründung von Fabriken, Bäckereien, Schlächtereien, Druckereien sowie Ankauf uUd Be wirtschaftung von Landgütern ebenso groß sein wird wie der der Produzen ten durch Bildung von Produktivassoziationen und des unmittelbaren Ein griffs der Gesetzgebung. Der Eenossenschaftsgesdanke wird weitere unge ahnte Fortschritte erzielen, lleberhaupt wird der Wille zur menschlichen Solidarität, der wirtschaftliche und ethische Gemeinschaftsgedanke mächtig um sich greifen. „In Wahrheit brennt die alte Wirtschaftsordnung nieder und es naht die Zeit, wo der alte Unterbau Iber Gesellschaftsordnung sich entzündet" (Rathenau, „Die neue Wirtschaft", S. 84). Ein neuer Geist aber tut uns.vor allem dringend not. Die ganz einseitige materialistische Betrachtungsweise der Dinge, wie sie Marx und mit ihm dem wissenschaft lichen Sozialismus und der deutschen Sozialdemokratie zu eigen 'war, muß einer geistigen Blickrichtung Platz machen. Zurück auf ^Kant muß die Lo sung sein, wir find nicht nur wirtschaftliche Wesen, wie uns der Marxismus in seiner Reinkultur glauben machen will, sondern auch, ja sogar in erster Linie, denkende, geistige uns Zwecke ünd Ziele setzende Wesen, nicht nur von blindem Kausalitätsgesetz getriebene Glieder des Naturreichs, sondern Bürger zweier Welten. Der Wille zur Gemeinschaft muß uns alle durchdringen- und als edles Feuer durchlodern, als Einzelne sind wir nichts, als Gesamtheit alles, bei Konflikten muß das Einzelinteresse dem der Ge samtheit unbedingt weichen. Alles Privatrecht ist nur durch den Willen der Gesamtheit verliehen, eiü angeborenes, heiliges und unverletzliches Pri- vateigentlum gibt es nicht, es ist nur,ein von der Allgemeinheit -stuf Widerruf verliehenes Amt, das bei schwerem Mißbrauch jederzeit soll ent zogen werden können. Das war von je gut altdeutsche Rechtsauffassung. Wir müssen uns durchaus freimachen von der Auffassung, als ob das Eigen tum an allen Produktionsmitteln für alle Zeiten dem Einzelnen zukom men, müsse, ewige ökonomische Kategorien gibt es überhaupt nicht, auch für die Wirtschaftlichen Dinge gilt das Entwickelungsgesetz, „aller fließt" und nichts ist beständig als der Wechsel. Nur die restlose Verwirklichung dieses neuen Eemeinfchaftswilltns, dieser Bereitschaft alle unsere kleinen Privatinteressen dem Wohl der Ge samtheit bedingungslos unterzuordnen und, wenn es fein muß,