47 sehr vollkommenen Höhe füllt. Heiratet der junge Mann eine Arbeitskollegin aus der Fabrik, so stehen für die Gründung des Hausstandes so reichliche Mittel zur Ver fügung, daß das junge Paar mindestens ohne Schulden in den Ehestand tritt, oft jedoch noch einen Spargroschen erübrigt. Während vielfach junge Eheleute darben müssen, um die drückenden Bedingungen der Abzahlungs geschäfte erfüllen zu können, spart unser Ehepaar in den ersten Jahren der Ehe für die Erziehungskosten der Kinder und die damit verbundenen weiteren Anschaffungen. Hann kommt die schwierigste Zeit für einen Arbeiter hausstand. Solange der Mann allein verdient, muß die Sparkasse mehr oder weniger in Anspruch genommen werden, aber dank der verständig durch den Ältestenrat geregelten Entnahmen ist im schlimmsten Falle doch nie mals völlige Ebbe in der Kasse, bis dann nach der Schul entlassung und Einstellung der ersten Kinder in die Fabrik die Verhältnisse sich bessern, die Entnahmen auf hören, das Guthaben wieder anwächst zu einer will kommenen Rücklage für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit und des Alters. Mit den Zinsen ihres Guthabens, der staat lichen Invalidenrente und dem von der Firma zuerkannten Ruhegehalte führen unsere Invaliden ein recht behagliches Dasein, besonders wenn sie ein mit Hilfe der Prämien kasse für Hauserwerb erworbenes schuldenfreies Häuschen besitzen. Außerordentlich bewährt hat sich unsere Sparkasse in Zeiten schlechter Geschäftskonjunktur, in denen die Arbeitszeit eingeschränkt werden muß. Eine solche Periode haben wir jetzt gerade überwunden. Im No vember 1911 mußte die Arbeitszeit um 10% eingeschränkt werden. Laut Vorschlag der Firma und nach einem ent sprechenden Beschlüsse des Ältestenrats wurden für die Zeit der Einschränkung den Akkordarbeitern, und das ist der größte Teil unserer Belegschaft, die Einlagen in die obligatorische Sparkasse erlassen, bzw. freigestellt. Damit verringerten sich die baren wöchentlichen Einnahmen statt um 10% nur um 5% ihres normalen Einkommens, und da die Eirma den verheirateten Arbeitern noch 5% Aufschlag auf die Akkordlöhne zahlte, hatten diese in der Zeit der Einschränkung überhaupt keinen Ausfall in ihren baren Einnahmen, sondern lediglich einen Stillstand im Wachstum ihres Vermögens. Nach der langen Unter-