49

Großbritannien  bringt  es  mit  sich,  daß  selbst
manche  Äußerlichkeiten  des  Kampfes  Ähnlichkeit
ausweisen.  Schon  Napoleon  I.  führte  seine
Kriege  für  die  Freiheit  der  Meere  und  des
Kontinents  von  britischer  Willkür  und  Bedrückung; ­
  die  Sprache  des  Konvents  ist  hierin
keine  andere  als  die  des  Imperators.  Wir
haben  in  unseren  Tagen  die  Aushungerung  des
revolutionären  Frankreichs,  die  Vergewaltigung
der  Neutralen,  die  ethische  Verhüllung  des
Kriegsanlasses  „Belgien",  ja  sogar  die  mißglückten ­
  Mordanschläge  aus  seiten  Eng'ands  in
neuer  Auflage  erlebt.  Kein  Wunder,  daß  aus
seiten  Deutschlands  die  Phraseologie  des  großen
Kampfes  gleichfalls  wiederkehrt.
Vor  allem  darin,  daß  unsere  leitenden
Männer  gleich  den  Männern  von  1792  jede
„Lust  am  Länderraube"  von  sich  weisen;  auch
der  Konvent  versprach  ja  1793  ohne  Erfolg  in
London,  Belgien  wieder  zu  räumen.  Erst  der
politische  Ausgang  des  gegenwärtigen  Ringens
kann  uns  lehren,  ob  Deutschland  diesem  selben
Vorsatz  treu  bleiben  und  auf  anderem  Wege
sein  politisches  Ziel  —  die  Niederzwingung  des
Hauptgegners  England  —  erreichen  wird;
zweifelhaft  ist  es  ja  immerhin,  ob  selbst
Napoleon  I.  mit  einem  britischen  Antwerpen
in  der  Flanke  ein  solches  Ziel  jemals  erreicht
Lrnz.

4