20 Eine Ladentochter (Stadt) bemerkt: „Vom religiösen wie vom sozialen Standpunkt aus wäre es sehr erwünscht, wenn ein Sonntagsruhegesetz auch für Bäckereien und Konditoreien geschaffen würde. Ein Sklave kann nicht ärger an seine Arbeit gebunden sein als wir in unserem Gewerbe. Von Fest- und Feiertaghalten ist keine Rede. Also Parole: Sonntagsruhe!“ Eine Verkäuferin in einem Metzgergeschäfte verpönt die Sonntagsarbeit mit folgenden drastischen Ausführungen: „Jahre lange Beobachtungen haben mir gezeigt, dass mindestens 90% der Sonntagskunden sich auf die Arbeiterklasse beschränken. Da einmal energisch einzugreifen, täte not. Selber dem Arbeiter stande angehörend, kann ich mit Recht und Gewissen konsta tieren, dass es ganz gut möglich ist, es anders einzurichten. Vom Schlechtwerden des Fleisches kann keine Rede sein, das ist nicht stichhaltig, denn andere Leute können es auch machen. Man kann z. B. das betreffende Stück Fleisch anbraten oder auch einsalzen und am Morgen wieder abwaschen. In England, Amerika etc. kann man sich auch einrichten, dort sind die Ladnerinnen gesetzlich geschützt. Und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Wo bleibt da das Fabrikgesetz? Da stehen wieder Arbeiter gegen Arbeiter. Wieso? Ich weiss und habe es schon öfters mir sagen lassen, dass der Mann erst Sonntags früh oder Samstags nachts spät nach Hause kommt und den dezimierten Zahltag bringt. Wie könnte da die Frau noch ihrem Gatten etwas Schmackhaftes vorsetzen? Da ist sie gezwungen, ihre eigene arbeitende Klasse zu Sonntagsdiensten zu verdammen. Also hier Remedur, bitte! Die Arbeiter haben doch ihren Sonntag ganz frei, warum nicht wir?“ Damit schliessen wir die Blütenlese, die nach unserem Dafürhalten sehr typisch ist. Wir besitzen aus den übrigen Arbeiterinnenkategorien im Verhältnis zu den angeführten Be merkungen nur verschwindend wenige Aeusserungen, weil eben die Verhältnisse infolge des Arbeiterinnenschutzgesetzes bessere geworden sind, wenn auch nicht überall seine Vorschriften genau befolgt werden. Schon bei der nächsten Gruppe, bei den Schneiderinnen, zeigt der Arbeitstag denn doch ein weit günstigeres Bild als dies bei den Ladentöchtern der Fall war.