16 Einleitung: Entwickelung des Verkehrswesens. Bäumen bepflanzt und an welchen in bestimmten Abständen Gasthäuser und Schuppen aufgestellt wurden. Von Peking gingen eine Anzahl Radialstraßen in verschiedener Richtung ab. Ein wohlgeordnetes System von Stationen, welche mit berittenen Kurieren und mit Gespann ausgestattet wurden, ermöglichten eine schnelle und sichere Verbindung. Der venezianische Kaufherr Marco Polo spricht in seinem vielgenannten ­ Werke von den Einzelheiten dieser Einrichtung und erwähnt dabei die Aufsichtsbeamten, ­ welche verpflichtet waren, für die Ordnung und Unterhaltung der Wege zu sorgen. Neben den gepflasterten Heerstraßen lag ein ungepflasterter Streifen, der den Reitern ein rasches Vorwärtskommen ermöglichte. Die beginnenden langandauernden Kämpfe zwischen den Arabern und Byzanz erwiesen ­ sich für einige unternehmende Städte Italiens von großem Vorteil. Venedig, Genua, Pisa, Amalfi wußten den Handel mit Ägypten und Syrien immer mehr in ihre Hände zu spielen; durch Verträge mit dem griechischen Hofe und mit den Sarazenen sicherten sich die Genuesen und Venezianer den Zwischenhandel. Im gleichen Maße wie die Schiffe Konstantinopels gezwungen waren, sich aus dem Ägäischen und dem Mittelmeer zurückzuziehen, im selben Maße drangen die Fahrzeuge der Italiener vor. Die Spuren der Venezianer im Handel mit Konstantinopel und auch in den Handelsverhältnissen nach Syrien und Ägypten lassen sich bis in das neunte Jahrhundert znrückverfolgen. Die Stellung der Italiener in Konstantinopel war zeitweise eine sehr angesehene, zeitweise suchten sich die griechischen Kaiser durch die schändlichsten Mittel dieser Konkurrenten zu entledigen. Eine sehr bedeutungsvolle Rolle spielte jahrhundertelang in der Geschichte des Handels und damit in derjenigen des Verkehrs Venedig. Ein Fischerdorf, gegründet von den vor Attila geflüchteten Bewohnern von Aquileja, Padua und Concordia, war der Ausgangspunkt des machtvollen Venedigs. Schon unter Theuderich (454—526 n. Chr.) bediente sich Ravenna der Fahrzeuge der Venezianer. Im Jahre 829 drohte der Stadt, die mit 60 Schiffen im Bunde mit dem griechischen Kaiser Sizilien gegen die Mauren verteidigt hatte, die Gefahr der Vernichtung. Die dem Kaiser Karl dem Großen geleistete Hilfe gegen Pavia verschaffte Venedig die Unabhängigkeit. Otto III. (996) erteilte den Venezianern die Befugnis zum Besuche der deutschen Messen. Bis gegen Ende der Kreuzzüge war jedoch der Verkehr mit Deutschland ein sehr geringer, und ein unmittelbarer ­ Großhandel mit den italienischen Städten existierte nicht. Deutschland war um diese Zeit von dem Weltverkehr gleichsam ausgeschlossen. Es gehörte zu denjenigen Ländern, in welchen nach dem Zusammenbruch des Römerreiches zunächst eine sehr traurige Periode des Verkehrslebens und des Handels begann. Die Zahl der Verbindungswege blieb zwar eine ziemlich große, doch war ihre Beschaffenheit eine sehr mangelhafte. Der Unverstand der Menschen ließ die prachtvollen Kunststraßen vielfach zu Grunde gehen, indem man deren Verfall thatenlos zusah. Karl der Große zeigte sich auch in dieser Beziehung als ein Mann mil weitem Blick, indem er wiederholt Befehle erließ, Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Überresten der Römerstraßen herzustellen. Die fränkischen Soldaten mußten wie einst die römischen mit Hand ans Werk legen. In seinen Kapitularien verordnete er die Wiederherstellung der Kirchen, Brücken und Straßen und schrieb er den Handelsleuten die Straßen vor, um sie zu ihrer eigenen Sicherheit an seine Gaugrafen verweisen zu können. Es heißt daselbst: „Die Kaufleute auf ihrem Zuge in die Lande der Slawen und Avaren sollen gen Sachsen bis Bardewik reisen, wo Hredi für sie zu wachen hat, zu Schesla (an der Aller), wo sie Madalgoz schützt; zu Magadoburg sind sie der Hut Hattos anvertraut, zu Erpisfurt dem Madalgand, zu Forchhaim, zu Bremberg, zu Ragenisburg sitzt Adulph, zu Lorch der Warnar". Eine Hauptstraße ­ zog sich von dem Donauthal in das Elbe- und Wesergebiet, eine zweite ging über Augsburg und Ulm, den Main und Neckar abwärts, nach Frankfurt und an den Rhein. Die Machtausdehnung der Araber hatte eine allgemeine Stockung des Welthandels bewirkt, ­ die erst durch die Anknüpfung neuer Verbindungen in dem Donauthal durch Kölner und Mainzer Kaufleute einigermaßen aufgehoben wurde. Der Einbruch der Hunnen sperrte diesen Weg für den Durchgang der orientalischen Waren, die fortan nur über Kiew und Nowgorod nach Deutschland und zwar an die Ostsee gelangen konnten.