18 Entwickelung des Verkehrswesens im Mittelalter. Im Namen Gottes ließ der Kapitän die Segel aufziehen, und fort ging cs ins Gelobte Land. In der Regel pflegten sich mehrere Schiffe zu vereinen, und oft waren es ganze Geschwader, die dem Osten zusteuerten. Bezeichnend für den damaligen Stand der Schiffahrt ist es. den Kurs zu verfolgen, welchen die Schiffe im allgemeinen einschlugen. Die Schiffe hielten sich in der Regel an der Küste. Die Fahrt ging an den jonischen Inseln tind an den Küsten Griechenlands entlang. Nördlich von Kreta schlugen sie die östliche Richtung ein. liefen nicht selten Rhodos an, erreichten dann Cypern und von hier aus ihren Bestimmungs hafen. Von Messina nach Accon dauerte die Fahrt vier Wochen. Von Marseille nach Syrien rechnete man sünfunddreißig Tage. Das aus kirchlichen Motiven entsprungene Verbot des Warenbezuges ans den in den Händen der Ungläubigen befindlichen Ländern, veranlaßte die Venezianer, den asiatischen Produkten einen neuen Handelslveg zu erschließen. Die Warenzüge gingen fortan durch die Bucharei. Das alte Tanais am Don kam als Tana wieder zu großer Bedeutung, ans ihm entwickelte sich das heutige Asow. An der neuen Welthandelsstraße lagen Buchara, Balkh und Samarkand. Orte, welche schon im Altertum zum Teil eine angesehene Stellung eingenommen hatten. Diese Straße für den Warenbezug aus Indien blieb bis zum Ende des 14. Jahrhunderts von Bedeutung. Ihr Verkehr wurde allmählich schwächer, als die Kirchenverbote eine weniger abschreckende Wirkung auszuüben begannen. Immer stärker erwies sich das Verlangen, dem Handel wiederum einen lveniger kostspieligen Weg zu eröffnen. Syrien war um diese Zeit die Beute der Mameluken und Mongolen geworden, und die Venezianer waren durch die Genuesen (1261) aus Konstantinopel und damit fast ganz aus dem Schwarzen Meer verdrängt worden. Mit Hilfe der Genuesen war Michael Paläologns auf den Kaiserthron gekommen, und er hatte seinen Verbündeten dadurch seine Dankbarkeit bewiesen, daß er diesen die Vorstädte Galata und Pera einräumte. Die Venezianer, bemüht, das Verlorengegangene möglichst wieder an anderer Stelle zu ge winnen, sicherten sich den Warenzug durch das mongolische Vorderasien. Taurus ward ein wichtiger Handelsplatz. Die indischen Waren kamen per Schiff bis Ormus, von wo ans der Weitertransport zu Lande nach Persien oder über das Persische Meer und den Tigris bis Bagdad erfolgte. Die morgenländischen Waren schaffte man auf einem nord östlich gekrümmten Umweg durch Kleinarmenien bis an das Mittelländische Meer nach Ajaß. Um den bequemsten Weg nach Indien, den über Ägypten, benutzen zu können, wurde vielfach Schleichhandel getrieben. Die Händler kamen von Ägypten nach ver schiedenen einst im Altertume hochberühmten Orten, nach Candelorum (Side) und Attalea, sowie nach Satalia in Pamphylien. Als der Papst Clemens (1307) allen Handel unter Androhung des Kirchenbannes verbot, erklärten viele Kaufleute, sich genau an den Konzilien beschluß vom Jahre 1179, der nur den Handel von Waren zum Kriegsgebrauche betraf, halten zu wollen, darüber hinausgehende Bestimmungen aber für nicht gültig betrachten zu können, und in ihrer Übertretung glaubten sie kein geistliches Verbrechen erblicken zu müssen. Diese Widerstrebenden wurden durch eine päpstliche Bulle im Jahre 1326 für Ketzer erklärt und zum Schweigen gebracht. Durch dieses scharfe Verbot ward dem Lug und Trug Thür und Thor geöffnet. Um die Konkurrenz der Geistlichen zu hintertreiben, brachte Benedict VI. die Erteilung von Freibriefen an einzelne venezianische Handels häuser auf. Im Jahre 1345 erhielt der gesamte Handelsstand von Venedig auf fünf Jahre Dispensation, und diese wurde später verlängert. Venedig stieg, je mehr das An sehen seiner bedeutendsten Rivalin, Konstantinopel, sank, immer höher, und mit dem Ende des 14. Jahrhunderts erreichte die mit Recht vielgepriesene Lagunenstadt den Gipfelpunkt ihrer Macht und ihres Glanzes, als dessen sichtbare Zeichen die Kuppeln und die Paläste zurückgeblieben sind. Die Verschiebung des Handelsschwerpunktes von Byzanz nach Venedig hatte für Deutschland weittragende Folgen. Der Weg von den italienischen Städten nach Nord- europa führte fortan durch dieses Land. Die direkten Handelsbeziehungen mit Nürn berg, Augsburg und anderen deutschen Städten nahmen außerordentlich zu, und die neuen Verhältnisse ließen diese Städte sehr aufblühen. Übrigens hatte sich in Deutschland während des 13. Jahrhunderts ein für die Verkehrsgeschichte sehr wichtiger Vorgang voll zogen. Trotz der Eiferung der Fürsten auf dem Reichstage zu Worms (1231) gegen.