59 Römerstraßen. nußgroße Kiesel Verwendung. Die vierte Lage bildete die Abdeckung der Straße. Diese Schicht wurde „Summa crusta“ genannt und bestand aus Pflaster oder Be schotterung. Die Straße wurde der Breite nach in drei Teile getrennt. Der mittlere, meist etwas gewölbte Teil hieß „Agger“. Derselbe war von den Seitenwegen durch Bordsteine abgesondert. An den Fahrbahnen standen besondere Steine zum Aufsteigen der Reiter. Diese Vorkehrung war nötig, da man die Steigbügel nicht kannte. Diese Erfindung wurde in Europa erst im 4. Jahrhundert bekannt. Die oben angegebenen fünf Hauptrouten bildeten die Hauptmaschen des römischen Straßennetzes, das durch Straßen untergeordneter Bedeutung in eine große Anzahl engerer Maschen zerlegt wurde. Man schied die Straßen in Heer- und Provinzial straßen, Gemeindewege, Fußpfade und Hohlwege. Der französische Gelehrte Bergier hat die Gesamtlänge auf 10000 geographische Meilen geschätzt, eine Zahl, welche die neuere Forschung als etwas zu hoch ansieht. Die Aufsicht über dieses wichtige Gebiet lag besonderen Kommissionen ob. Es galt für eine sehr hohe Ehre, mit der Oberaufsicht (curatorss) betraut zu werden. Die Unterhaltung erfolgte aus öffentlichen Mitteln und wurde in den meisten Fällen dem Mindestfordernden übertragen. Julius Cäsar ordnete eine allgemeine Straßenvermessung an, ein Unternehmen, das erst unter Augustus vollendet wurde. Hervorragende Verdienste auf dem Gebiete des Straßenbaues fanden durch Er richtung von Ehrenbogen einen sichtbaren Ausdruck. So wurde im Jahre 27 v. Chr. Augustus in Rimini ein solcher Bogen er richtet. Aus gleicher Veranlassung errichtete man Kaiser Trajan einen Ehrenbogen in Benevent. Mit dem römischen Straßenbau hängt ans das engste die Ausbildung des römischen Postwesens, des cursus publicus, zusammen. In den Zeiten der Republik wur den die Regierungs-Depeschen lediglich durch Eilboten (viatorcs) übermittelt. Zur Be- 27. Gurrschnitt -in« N-merstrußc. schleunigung ihrer Beförderung wurde ein ausgebildetes Vorspannwesen eingeführt. Die Entstehung des eigentlichen enrens publicus fällt in die Kaiserzeit. Augustus ivurde auch bei dieser Schöpfung von seinem Freund und Schwiegersohn Agrippa thatkräftig unterstützt. Das gesamte Straßennetz wurde in bestimmte Wegestrecken eingeteilt. An diesen Teilpunkten befanden sich Stationen, die man nach ihrer Bedeutung in naansionss und inutationes unterschied. Die Entfernung zwischen je zwei mansiones, die nicht selten mit prächtig eingerichteten Wvhngemächern der Kaiser aus gestattet waren, betrug eine Tagesreise. Die mntationes waren Fntterstationen. Auf den Stationen befand sich die nötige Anzahl Pferde (etwa 40), damit jederzeit ein Pferdewechsel eintreten konnte. Zum Ziehen der Wagen, die eine sehr verschiedene Gestalt aufwiesen, wurden Pferde, Ochsen, Maulesel und Esel benutzt, der eigentliche Postreisewagen, die rlieda currens, konnte 2 bis 4 Personen aufnehmen. Alle Einzel heiten des gesamten Betriebs waren auf das genaueste geregelt. Die oberste Leitung des euren» publicus lag in den Händen des Praefectus praetorii. Die Geschichte hat die von einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten auf den Römerstraßen zurückgelegten Schnellfahrten verzeichnet. Cäsar namentlich war wegen seiner raschen Reisen berühmt, nach Sueton legte er mittels Wagen in einem Tage 148 km zurück, d. h. also bei einer 13 bis 14 ständigen täglichen Fahrzeit etwa 11 km in der Stunde. Als durchschnittlich erzielte Geschwindigkeit kann die von 6 bis 8 Meilen Pro Tag bezeichnet werden. Im großen und ganzen diente der euren» ptiblicus ausschließlich Staatszwecken. Die Reisen den waren Staatsbeamte, Militärpersonen, Veteranen und solche Personen, denen aus nahmsweise ein Fahrschein (evsctio) erteilt worden war. Die Unterhaltung dieser Verkehrseinrichtung lag den Provinzbewohnern ob, die auch für die Versorgung der Reisenden aufkommen mußten. Die Belastung der Betroffenen war eine sehr erhebliche, und hierauf ist es zurückzuführen, daß im Gegensatz zu unserer Zeit nicht selten Proteste gegen die geplante Durchführung des euren» publicus durch irgend eine Gegend von 8*