60 Der Straßenbau. Seren Bewohnern erhoben wurden. Die Blütezeit des römischen Staatspostwesens war von der Mitte des 1. bis zum Schluffe des 3. Jahrhunderts. Zn jener Zeit erstreckte sich der cui'sus publicus von dem Piktenwall in Britannien bis zum Wendekreis des Krebses und von den Säulen des Herkules bis zum Euphrat. Über das gesamte Hauptstraßennetz gab es Karten, Jtinerarien, auf welchen alle Stationen aufgeführt waren. Am berühmtesten von den auf uns gekommenen Karten ist die Peutingersche Tafel, so genannt nach ihrem einstigen Besitzer, dem Augsburger Stadtschreiber Konrad Peutinger (gest. 1547). Dieser Karte liegt ein Jtinerarium aus dem 4. Jahrhundert zu Grunde. Der Niedergang und Zusammenbruch des römischen Weltreichs übte erklärlicherweise auch auf die wichtige Staatseinrichtung des cursus publicus einen ungünstigen Einfluß aus. Durch Kaiser Leo (457bis474n. Chr.) erfuhr dieselbe bereits eine weitgehende Einschränkung. Der cursus publicus ging zwar in der Folgezeit noch nicht völlig unter, und sowohl die Merowinger wie die Westgoten versuchten die Vorteile, welche diese Einrichtung der Obrig keit auf Kosten der Provinzbewohner bot, zu erhalten, allein die Benutzung fand nur zeitweilig statt, und dieser Umstand mußte naturgemäß die Leistungsfähigkeit bedeutend herabdrücken. Karl der Große scheint ein Gesetz erlassen zu haben, nach welchem für die königlichen Kommissarien Stationen zu erhalten waren, der Post- und Fährverkehr in der früheren Form erhielt sich nicht. Erst 1464, also am Ende des Mittelalters, wurde wiederum eine Staatspost und zwar durch Ludwig XI (1461 bis 1483) in Frankreich eingerichtet. Während die Straßen in Europa das ganze Mittelalter hindurch viel zu wünschen übrig ließen, trafen die spanischen Eroberer in dem neueutdeckten Erdteil, in Amerika, in Peru und Mexiko auf zahlreiche, gebahnte und wohlerhaltene Straßen, auf denen in Peru eine gut organisierte Kurierpost verkehrte. Die Straßen des Jnkareiches, besonders die in einer Länge von 400 bis 500 Meilen hergestellte große Jnkastraße, sind geeignet, auch heute noch unsere Bewunderung zu erregen. Der Straßenkörper war aus mächtigen Hausteinen und sorgfältig aneinandergefügten Deckplatten hergestellt. Auf außerordentlich großen zusammenhängenden Strecken ist diese Straße in die Felsen ein gehauen. Über die Flüsse und tiefe Schluchten führten hängende Brücken, deren Trage konstruktion aus Weidengeflecht hergestellt war und deren Fahrbahn durch Bohlen gebildet wurde. In Entfernungen von 2 1 / 2 bis 3 Meilen befanden sich Unterkunftsräume für die stets bereitstehenden Postläufer. Auf diesen Straßen wurden Tagesleistungen von 36 bis 40 Meilen erreicht. Gleich dem römischen cursus publicus dienten auch diese Ein richtungen lediglich dem Staatsinteresse. Auf die Inkas von Peru glaubt man auch die Überreste sehr schöner Straßen zurück führen zu können, welche man auf der Llano del Pullal, deren Höhe die des Pie von Teneriffa übersteigt, aufgefunden hat. Diese Straßen sind von großen behauenen Steinen begrenzt, und Alexander von Humboldt stellte sie auf eine Stufe mit den besten Römerstraßen Italiens, Galliens und Hispaniens. Die Fahrbahn ist vollständig eben und hat aus eine Länge von 6 bis 7 französischen Meilen die gleiche Richtung. Die Spuren desselben Weges glaubte Alexander von Humboldt bei Caxamorea, 120 Meilen südlich von Assuay wiedergefunden zu haben, und die Ansicht herrscht, daß die Straße nach Cuzeo führte. An der Nordküste von Columbia in der Sierra Nevada hat man die Überbleibsel von Straßen der Arhuaeo-Jndianer aufgefunden. Diese alten gepflasterten indianischen Straßen, die von Masinga la Nueva ausgehen, bestehen ans behauenen runden Granitblöcken von 40 era Länge und 20 cm Breite, und drei solche Steine liegen nebeneinander. Das Ganze ist durch Kantsteine eingefaßt. Diese Straße zieht sich in schnurgerader Richtung zwei Stunden weit hin und geht über ein 300 m hohes Hügelland. Wahrscheinlich führte dieser Weg nach einem zur Abhaltung von Festen und religiösen Zeremonien dienenden Versammlungsort. Eine eben solche Straße ist zwischen Mamatoeo und Minea vorhanden. Auch noch an anderen Stellen hat man im Gebirge Spuren derartiger Straßenanlagen, deren Breite 3 bis 4 Fuß beträgt, gefunden. Brücken sind gleichfalls vorhanden, können jedoch nur von Menschen und Hunden passiert werden, Pferde und sonstige Saumtiere müssen die Furten benutzen. In den meisten Distrikten Amerikas blieb für lange Zeit die Benutzung von Last tieren im Gebrauch. In Nordamerika entstanden erst nach 1800 die ersten Straßen und zwar nach der Methode von Mae Adam, auf welche bei Beschreibung des englischen Straßenwesens in neuerer Zeit zurückzukommen sein wird.