297 Signal- und Weichenverstellnng mittels Wasser- und Luftdruckes. Riesenklaviatur, auf der die Signalwärter ununterbrochen thätig sind, um Harmonien zu schaffen, die das eilende Dampfroß sicher durch das Labyrinth der Gleise und Weichen geleiten. Als Beispiel einer deutschen Anlage sei im Gegensatz zu der Brighton-Station der Durchgangsbahnhof in Hannover gewählt. Er enthält 9 Bahnsteiggleise, in die auf einer Seite die Linien von Lehrte (Knotenpunkt für Berlin, Hamburg, Magdeburg), Kassel und Altenbccken, sowie die Bahn nach dem städtischen Viehhof einmünden, auf der anderen die Linien von Wunstorf (Knotenpunkt für Bremen und Köln), Visselhövede und Hain holz (Güterbahnhof) nebst einem Gleise nach der Lokomotivstation. Auf dem Bahnhof verkehren täglich rund 275 Züge und zweimal 275 Einzellokomotiven, dazu kommt noch der Verschiebedienst. Sämtliche Gleise werden gesichert durch 40 Flügelsignale und einige 302. Kichrrnng einer enzlischrn Glriskrrn;u»g. Scheiben. Das auf jeder Seite der Bahnhofshalle befindliche Stellwerk enthält 53 bezw. 65 Hebel. Hiervon sind 77 Weichen- und 41 Signalhebel. Den Stand der Weichen erkennt hier der Führer durch die Weichensiguale. Der Dienst wickelt sich glatt und sicher ab. Da das Stellen dieser Hebel von Hand auf verkehrsreichen Bahnhöfen anstrengend ist, so hat man sie auf mechanischem Wege leichter und schneller zu bewegen versucht. Der Wärter braucht dann nur kleine Hebel und Griffe zu handhaben. Wasserdruck ist verschiedentlich zu dem Zwecke (namentlich durch die Fabrik von Haniel & Lueg in Düsseldorf) in Frankreich, Spanien und Italien gewählt worden. In Deutschland selbst Pt nur eine Station probeweise damit ausgerüstet worden. Um das Wasser am Gefrieren zu hindern, war ihm Glycerin beigemengt worden. Auch Luftdruck ist wiederholt in Bor- schlag gebracht worden und mehrfach auf italienischen Bahnen zur Anwendung gebracht. Seit 1891 benutzt die Westinghouse-Bremsgesellschaft in eigenartiger Weise dieses Kraft- übertragnngsmittel für Stellwerke. An den verschiedenen Signalmasten und Weichen ist je ein Druckluftcylinder mit Kolben angebracht, dessen Stange nach Abb. 303 mit den Signalflügeln bezw. den Weichen zungen in Verbindung steht. Von der Erzeugungsstelle der Preßluft durchzieht ein Haupt rohr das Bahnhofsgelände und schließt durch Zweigröhren unter Einschaltung eines Hilfsluftbehälters an jede Stellvorrichtung an. Der Eintritt der mit etwa fünf At mosphären gepreßten Arbeitslust in die Cylinder wird durch Ventile geregelt, die vom Stellwerk aus durch elektrische Ströme von 15 Volt Spannung ausgelöst werden. Bi'-» IX 38