372 Eisenbahnen: Stadtbahnen. nach Zool.Garten Die elektrische Hochbahn in Berlin. Diese seit Herbst 1896 im Ban befindliche und zur Zeit ihrer Vollendung entgegen gehende Anlage weicht von den bestehenden Hochbahnen namentlich dadurch ab, daß an mehreren Stellen ihres Linienzuges Unterpflasterstrecken eingeschaltet sind, in die sich die Hochbahn mittels steiler Rampen hinabsenkt, und daß ihre Erbauer (Siemens & Halske) bemüht gewesen sind, der Bahn, wie erwähnt, ein möglichst gefälliges Gepräge zu ver leihen. Die zweigleisige Linie beginnt am Wilhelmplatz in Charloitenburg und zieht sich in 12,6 Km Länge an der Station „Zoologischer Garten" der Berliner Stadtbahn vorbei durch den Süden der Reichshauptstadt, überschreitet östlich vom Görlitzer Bahnhof die Spree mittels der in Abb. 380 wiedergegebenen Oberbaumbrücke und endigt nahe der Ringbahn- station „Warschauer Straße". Zwischen der Anhalter und Potsdamer Bahn läuft ein Zweig mittels zweier Krümmungen, dadurch nach Abb. 379 ein „Gleisdreieck" bildend, nach dem Potsdamer Bahnhöfe aus und zwar in seiner 330 iw laugen Endstrecke als Unterpstasterbahn. Eine Weiterführung der letzteren von hier nach dem Mittelpunkte Berlins ist geplant. Auch das etwa 4 km lange Anfangsstück zwischen dem Wilhelm- und Nollendorf- platz gelangt jetzt als Unterpflasterbahn zur Ausführung. Abb. 379 zeigt das eigen artige Gleisdreieck in einfachen Linien. Seine Anordnung war nicht leicht; die einzelnen sich kreuzenden Gleise nach mußten in verschiedener Potsdamer „ „p ... . 1 / . . Platz Hohe übereinander fort- geführt werden, um bei der schnellen Zugfolge einen möglichst gesicher ten Zugbetrieb zu er halten. In der Hoch bahnstrecke ruhen die beiden normalspurigeu Gleise auf einer gemein samen , 7 m breiten, wasserdichten Fahrbahn, welche von einem schmiedeisernen Unterbau auf Pseilerstützen getragen wird. Die Schienen liegen in den Stationen 5,3 m über Pflaster, die Bahnsteige 0,85 m höher, so daß etwa 38 Treppen stufen von den Reisenden zu ersteigen sind, also ungefähr doppelt so viel wie bei der Budapester und der demnächstigen Berliner Unterpflasterbahn. Übrigens liegen bei einigen Stationen der Berliner Stadtbahn die Bahnsteige bis 7,2 m über der Straße. Die Bahnlinie berührt in Abständen von 340 bis 1940 m 6 Tief- und 10 Hochbahn- stationen. Die allgemeine Anordnung letzterer ist ähnlich derjenigen in New Jork, aber in der äußeren Erscheinung grundverschieden von dem amerikanischen Bilde (Abb. 378). Zeigt dieses durchweg die nüchternste Auffassung und größte Sparsamkeit, so be kunden die Berliner Anlagen, unter denen namentlich die Stationen „Nollendorfplatz" und „Potsdamer Straße" hervorragen, das Gegenteil. Ihre Erbauer sind mit allen Mitteln bestrebt gewesen, in ihnen nicht nur Stationen zu schaffen, welche den An forderungen des Verkehrs genügen, sondern gleichzeitig auch Bauwerke, die einer Stadt wie Berlin nicht zur Unzierde gereichen. Die künstlerische Behandlung dieser Nutzbanten lag in den Händen bewährter Architekten. Ein Viertel der Bahnlinien liegt in Krümmungen, deren schärfste 80 m Halbmesser besitzt. Etwa 8 / 5 der Bahn liegen in der Wagerechten. Die größte Steigung beträgt 1:100, nur auf den Übergangsrampen von der Hoch- zur Unterpflasterbahn findet sich die Steigung von 25 °/ 00 (1 : 40). Die Züge werden aus 1 bis 2 Motorwagen und 1 bis 2 Anhängewagen gebildet. Die Drehgestelle der ersteren werden je durch 1 Elektromotor angetrieben. Die gesamten Anlagekosten dieser Bahn sind einschließlich des Grunderwerbs, des Krafthauses und der Ausrüstung auf rund 25 Millionen Mark veranschlagt, was für nach Warschauer Brücke 379. Mas Gleisdreieck.