Landmarken. 547 Schiffahrtszeichen. Auf der Fahrt durch den endlos scheinenden Ozean sucht sich der Schiffer mit Kompaß und Steuer den Weg, um sein fernes Ziel zu erreichen, mit Hilfe seiner Instrumente befragt er bei Tag die Sonne und bei Nacht die Sterne, die ihm untrügliche und genaue Auskunft geben, über den Ort, an dem sein Schiff sich befindet. Nach langer Fahrt kehrt das Schiff mit den Waren ferner Länder reich beladen nach dem heimatlichen Hafen zurück; schwere Kämpfe mit Sturm und Wellen hat es durchgemacht, in denen es dank seinem festen Gefüge, dank der vortrefflich arbeitenden Maschine und dank der Kalt blütigkeit und unermüdlichen Ausdauer von Führer und Mannschaft siegreich das Feld behauptet hat. Die größten Gefahren hat es aber noch nicht hinter sich, diese drohen ihm erst jetzt bei der Annäherung an die Küste. Das Lot mit der mit Talg ausgefüllten Höhlung wird fleißig ausgeworfen, um aus den von ihm heraufgebrachten Grundproben durch Vergleich mit den Angaben in der Tiefen- und Grundkarte des Meeresbodens mit einiger Ge nauigkeit den Punkt festzustellen, über dem das Schiff schwimmt. Der Schiffsführer läßt die Maschine lang sam gehen, der Wachthabende verdoppelt seine Auf merksamkeit, um bei der großen Zahl der im engen Fahrwasser sich begegnenden Schiffe, deren Fahrt rechtzeitig zu erkennen und dem drohenden Zusam menstoß auszuweichen und um die in der Nähe der Küste vorhandenen Klippen und Untiefen zu ver meiden. Schon manches Schiff, das hoffte in wenigen Tagen oder Stunden in den schützenden Hafen ein laufen und dort nach langer Fahrt durch das sturm bewegte Meer ausruhen zu dürfen, hat an den Klippen und Sandbänken der Küste noch seinen Untergang gefunden. Zur sicheren Fortsetzung der Fahrt von der offenen See durch die Klippen, Riffe und Strö mungen in die Flußmündungen und Häfen braucht der Schiffer Wegweiser, und diese sind ihm in den Segelanweisungen und in den Küstenkarten gegeben. Außer der genauen Darstellung des betreffenden Meeres und der Küste nebst Klippen, Sandbänken, schwimmenden Seezeichen u. s. w. enthalten diese Küstenkarten noch sogenannte Küstenbilder, das sind leicht gezeichnete Abbildungen aller hervorragenden Gegenstände, wie Berge, Dünen, Türme, Windmühlen, Häusergruppen, Wälder, wie diese sich dem von der See kommenden Schiffe darstellen. Ist die Küste von Natur arm an derartigen in die Augen fallenden Gegenständen, so müssen künstliche Land marken geschaffen werden, Tagesmarkeu genannt, wenn sie nur bei Tag, Nachtmarken, wenn sie wie die Leuchttürme auch bei Nacht sichtbar sein sollen. Als Tagesmarken werden Baken errichtet, hohe turmähnliche Gerüste, seltener Pfeiler aus Stein, denen man zur deut lichen Sichtbarkeit und Unterscheidung große Flächen mit recht in die Augen springenden Umrißlinien und einen entsprechenden Anstrich gibt, so daß sie sich vom Hintergrund gut abheben. Von ihrer äußeren Erscheinung erhalten diese Baken ihren Namen wie z. B. Kugel-, Becher-, Jungfern-, Windmühlen-, Stuudenglasbake u. s. w. Damit die großen Flächen den an der Küste wehenden Winden nicht zu großen Widerstand entgegensetzen, werden die Baken aus durchbrochenem Gerüstwerk gebildet. Die Abb. 531 bis 533 stellen einige solcher Baken dar. Kommt dem Schiffer eine oder mehrere solcher Landmarken zu Gesicht, so bestimmt er mit Kompaß und Sextant die Richtung, in der er dieselben sieht, und kann daraus den Punkt, über dem sein Schiff schwimmt, in seiner Karte bestimmen. 531. Minktmke.