620 Schiffbau. schiffe in Schraubenschiffe umzubauen, indem mau sie meist in der Mitte auseinander schnitt und entsprechend zur Unterbringung von Maschine und Kessel verlängerte. Für die Linienschiffe mit so großem Freibord waren die Räder ungeeignet, auch nahmen dieselben in der Breitseite des Schiffes den zur Aufstellung von Geschützen wichtigsten Teil in Anspruch. Die Raddampfer fanden daher vorzugsweise als Avisos und Dampf korvetten Verwendung. Dagegen bot die Schiffsschraube den großen Vorteil, daß der Propeller unterhalb der Wasserlinie gegen feindliche Geschosse vollkommen geschützt lag und außerdem die Maschinen- und Kesselanlage bei den großen Linienschiffen gegen direkte Treffer gesichert war, wobei die Breitseiten für die Geschützaufstellung vollkommen verwertet werden konnten. Die Takelage der Linienschiffe wurde beibehalten, um die billige Kraft des Windes nach Möglichkeit auszunutzen und den kostspieligen Dampf für das Gefecht und für besondere Fälle aufzusparen. Die Gefechtsstärke der Schrauben linienschiffe bestand hauptsächlich in ihren Breitseiten, auf welchen die größte Zahl der Geschütze vereinigt waren, und die Taktik beruhte dementsprechend auf dem Grundsatz, dem Feinde stets die volle Breitseite zuzukehren. Als beste Schlachtordnung galt daher die Kiellinie, woraus sich der Name Linienschiff bildete. Die Klassifizierung und Be nennung der Kriegsschiffe erfolgte nach der Zahl der eine Geschützreihe tragenden Decks in Linienschiffe, Schiffe mit 2 bis 3 gedeckten Batterien, auch in Zwei- und Drei decker unterschieden, Fregatten, dreimastige Vollschiffe mit einer gedeckten Batterie, Korvetten, kleinere Vollschiffe mit einem Bat teriedeck, welches bei den gedeckten Korvetten durch das Oberdeck ge schützt war, während die Glattdecks korvetten die Geschütze auf dem Oberdeck führten. Man bezeichnete sie später auch als Kreuzerfregatten und Kreuzerkorvetten. Die kleineren Fahrzeuge wurden unter dem Namen Schraubenkanonenboote zusammen gefaßt. Aber auch auf anderen Ge bieten der Marinetechnik vereinigten sich praktische Erfahrungen und Wissenschaft, um die Kriegswerk- S2<. Gurrschnitt einer gepanzerten Batterie. zeuge zu vervollkommnen und ihre verheerende Kraft zu steigern. Nachdem schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts Mörser zum Werfen von Bomben verwendet waren, führte der französische Artillerieoberst Paixhans nach den Anregungen Napoleons im Jahre 1822 die Bombenkanone ein, welche sich nach und nach den Weg in alle Marinen bahnte und durch die verheerende Wirkung der mit Sprengladung versehenen Hohl- geschvsse für die hölzernen Schiffe eine gefürchtete Waffe wurde. Im Jahre 1854 bestätigten die Bomben und Granaten bei der Beschießung von Sebastopol durch die vereinigten englischen und französischen Flotten die Erwartungen vollkommen. Die russischen Granaten richteten auf den hölzernen Schiffen der Alliierten derartige Ver heerungen an, daß dieselben den Kampf abbrechen mußten. Es trat die Notwendig keit ein, die Schiffswände gegen derartige Verwüstungen besser zu schützen. Und so wurden noch während des Krieges auf Anregung Napoleons III. von dem genialen Schiffbauer Dupuy de Lome fünf gepanzerte schwimmende Batterien in aller Eile erbaut und davon drei nach dem Schwarzen Meer geschleppt (Abb. 624). Obwohl diese Batterien nur mit 90 min starken Eisenplatten untergeordneter Art bekleidet waren, so bewiesen sie sich bei der Beschießung von Kinburn thatsächlich als praktisch unverwundbar, denn die russischen Granaten hinterließen auf den Eisenplatten zwar tiefe Eindrücke, doch wurde keine der Platten bedeutend beschädigt.