769 Postverkehr in Italien nnb Spanien. Gleichgültigkeit der meisten Regierungen gegenüber den Anforderungen des Verkehrs geschah nichts, um den Nachteilen, welche aus jenem Übelstande entsprangen, einigermaßen zu begegnen. Erst mit dem Zusammenfassen der einzelnen Länder Italiens zu einem einzigen geordneten Staatswesen im vorbezeichneten Jahre wurde auch der freien Ent wickelung des Postverkehrs Bahn gebrochen. Freilich war es für die Regierung des neuen Einheitsstaates keine leichte Aufgabe, das Postwesen aus dem verwahrlosten Zustande heraus zu einer achtunggebietenden Stellung emporzubringen, und es bedurfte dazu nicht nur der größten Anstrengungen, sondern auch der Aufwendung sehr beträchtlicher Geld mittel. Inwieweit diese Aufgabe gelöst worden ist und wie der Postverkehr in neuester Zeit zugenommen hat, erhellt aus folgender Gegenüberstellung der Betriebsergebnisse der italienischen Posten aus den Jahren 1875 und 1897. Die Zahl der Postanstalten, welche im Jahre 1875 sich auf 4142 belief, war 1897 auf 7662 gestiegen; in dem gleichen Zeitraume sind die Briefkasten von 7690 ans 20 949 vermehrt worden und ist das Beamteupersonal von 14 914 ans 24 253 angewachsen. Im Jahre 1875 wurden 129341000 Briefe, 12 194000 Postkarten, 138082000 Drucksachen, Zeitungs nummern, Geschäftspapiere und Warenprobensendungen, 3 890 000 Postanweisungen und 25 000 Geldbriefe befördert. Im Jahre 1897 dagegen kamen 218 145 000 Briefe, 74 458 000 Postkarten, 292 193 000 Drucksachen, Zeitungsnummern, Geschäftspapiere und Warenprobensendungen, 11 678 000 Postanweisungen, 782 000 Postaufträge, 9 315 000 Pakete und 1 457 000 Briefe mit Wertangabe zur Versendung. Im Jahre 1875 betrugen die Einnahmen 19 732 000 Mark, die Ausgaben 17 099 000 Mark; 1897 hatten sich die Einnahmen auf 53 829 000 Mark und die Ausgaben auf 47 091000 Mark vermehrt. Eine der italienischen Postverwaltung eigene Einrichtung sind die Postschreib- stuben, die vorzugsweise von schreibunkundigen Personen und von Ausländern benutzt werden. Der Inhaber einer solchen Schreibstube, welcher für die Überlassung des be treffenden Raumes im Postgebäude an die Postverwaltung eine entsprechende Entschädi gung zu zahlen hat, besorgt gegen Entgelt auf Wunsch nicht nur die Abfassung von Briefen, sowie die Verpackung und Adressierung von Sendungen jeglicher Art, sondern stellt auch dem Nachsuchenden das zur Anfertigung von Postsendungen erforderliche Material zur Verfügung und gibt Auskunft über postalische Einrichtungen und Vorschriften. Den Postannahmebeamten wird dadurch eine nicht unwesentliche Erleichterung ihres Dienstes zu teil, da sie der Mühe überhoben werden, dem die Postschreibstuben benutzenden Publikum über die bei Auflieferung der Postsendungen zu beobachtenden Vorschriften Be lehrung zu erteilen. Außerdem erzielt die Postverwaltung aus der Vermietung der Räume eine nicht unbeträchtliche Einnahme. Auch die Inhaber der Postschreibstuben sollen ganz gute Geschäfte machen. Spanien spielte im 16. und 17. Jahrhundert als politische Macht in Europa eine hervorragende Rolle. Dementsprechend war auch das Posttoesen in diesem Lande zu jener Zeit schon ziemlich entwickelt, so daß es den gleichen Verkehrsinstituten in Frankreich und Deutschland völlig ebenbürtig zur Seite stand. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Simon von Taxis, ein Bruder des Generalpostmeisters im deutschen Reiche Franz von Taxis, von dem Könige Philipp dem Schönen zum Correo mayor von Spanien er nannt und mit der Verwaltung des Postwesens im Lande betraut. Indes gelang es weder diesem noch seinen Nachfolgern im Amte, die Post in Spanien einheitlich zu organisieren, weitste dabei auf übergroße Hindernisse stießen, welche ihnen von seiten der städtischen Behörden und der religiösen Brüderschaften zum Zwecke der Erhaltung ihrer eigenen Botenanstalten entgegengesetzt wurden. Die Oorrsos naayorss wandten ihre Auf merksamkeit daher zunächst vorzugsweise den Posten auf den großen Postkursen zu, tvährend die gedachten Botenanstalten den Verkehr auf den kleinen Kursen vermittelten. Im 17. Jahrhundert bestand in Spanien alle 14 Tage eine regelmäßige Postverbindung mit England, den Niederlanden und Deutschland. Inden Provinzen des Landes unterhielten die Bvtenanstalten eine wöchentliche Verbindung mit der Hauptstadt. Im Jahre 1706 97