858 Die Welttelegraphie. kann. Die Verbindung der Teilnehmerleitungen mit den Schleifleitungen wird durch die Jnduktionsrollen a a bewirkt. Diese Methode der Herstellung induktionsfreier Leitungen hat sich in verschiedenen Ländern Eingang verschafft. Ein weiterer Vorteil ist mit derselben insofern verbunden, als sie die Anbringung von Fernsprechleitungen auch an gewöhnlichen Telegraphengestängen gestattet, ohne daß das Sprechen durch die Induktion von Morse strömen u. s. w. gestört wird. Eine andere Methode, die besonders in England bevorzugt wird, besteht darin, daß die Schleifleitungen in Schraubengängen an dem Gestänge an gebracht werden. Seit einigen Jahren wendet man in Deutschland ein sehr einfaches Mittel zur Beseitigung des sogenannten Mitsprechens an, das sich vortrefflich be währt hat. Man bringt die beiden Zweige der Schleife thunlichst nahe aneinander und befestigt die Schleifen am Gestänge in Entfernungen von etwa 50 am. Eine Methode, die Telegraphenleitungen selbst zum Fernsprechen zu verwenden, ist von van Rysselberghe angegeben worden. Da die Erfahrung gelehrt hat, daß langsam anschwellende Batterieströme im Fernsprecher keine lauterzeugende Wirkung hervorbringen, sich also für das Ohr nicht bemerkbar machen, so hat van Rysselberghe durch Einschaltung von Jnduktionsrollen und Kondensatoren das plötzliche Anschwellen der Batterieströme verhindert. Es wird hierbei die Erscheinung nutzbar gemacht, daß in einer mit einem Batteriepole in Verbindung gesetzten Drahtleitung zunächst ein entgegengesetzt gerichteter sogenannter Extrastrom entsteht, welcher das plötzliche Anwachsen des Batteriestromes ver hindert, und daß bei Öffnung ein dem Batteriestrom gleichgerichteter Extrastrom den Batteriestrom nicht sofort auf den Wert Null herabsinken läßt. Diese Wirkungen werden t X X < t * ^ r f " " ' L t i X i 31 ° * ' n == ff 835. Induktionsfreie Fernfprrchleitung. erheblich verstärkt, wenn in die Leitung eine Drahtrolle eingeschaltet wird, welche innen und außen mit starken Eisenmassen versehen ist. Ähnlich verhält es sich mit der Ein schaltung von Kondensatoren in eine Leitung. Beim Schluß der Batterie ladet sich derselbe, was einer Schwächung des Stromes bei seinem Entstehen gleichkommt, und beim Ver schwinden des Batteriestromes muß sich der Kondensator erst entladen, was einer Ver längerung der Stromesdauer entspricht. So einfach dieses System im Prinzip erscheint, seine praktische Anwendung ist doch mit Schwierigkeiten und Kosten verbunden, da sämtliche an einem Gestänge befindliche Leitungen mit diesen Apparaten ausgerüstet werden müssen. Dazu kommt, daß immer nur eine Sprechleitung gewonnen wird, weil die betreffenden Apparate zwar die Wirkung der Batterieströme, nicht aber diejenige der Fernsprechströme abzuschwächen oder zu beseitigen vermögen. Gleichwohl sind mit dem Rysselberghescheu System umfassende Versuche angestellt worden. In Belgien, dem Vaterlande van Rysselberghes, sind die Telegraphendrähte zwischen Brüssel-Antwerpen, Brüssel-Gent, Brüssel-Löwen, Brüssel-Lüttich, Brüssel- Charleroi u. s. w. zu Fernsprechverbindungen hergerichtet; in Österreich, Frankreich und Deutschland haben die Versuche keine günstigen Ergebnisse geliefert. Die Einrichtungen sind daher wieder beseitigt worden. Dagegen ist es seit einiger Zeit gelungen, Fern- sprechschleifleitungeu sowohl zum gleichzeitigen Telegraphieren, als auch zum Doppel sprechen vorzurichten. Während man für das Sprechen und Telegraphieren mit einer Doppelleitung auskommt, bedarf man für das Doppelsprechen zwei Doppelleitungen. Durch Einschaltung von Drahtrollen, welche so eingerichtet sind, daß sie dem Durchgang der Sprechströme sehr großen Widerstand entgegensetzen, ist es thunlich, sowohl die Sprechströme als auch die Telcgraphierströme zu zwingen, die für sie bestimmten Wege zu durchlaufen. Diese Einrichtungen sind von großer Wichtigkeit, da sie ohne nennens werte Kosten eine höhere Ausnutzung der teuren Fernsprechleitungen gestatten. Als