Die Weltwirtschaft. Der Entwickelungsgang unseres Wirtschaftslebens. Allgemeines. Pie Grundlagen, auf denen sich unser ModernesWirtschaftsleben aufbaut, sind Ar- Wj> beitsteilung und Tausch. Der Einzelne stellt nicht mehr selbst in eigener Wirt- schaft alle jene mannigfachen Gegenstände her, die er zur Befriedigung seiner Bedürfnisse benötigt. Seine Thätigkeit ist eine einseitige geworden, sie be- schränkt sich auf die Hervorbringung einer bestimmten Art von Gütern oder y? auf Leistung bestimmter Arbeiten, um im Austausch dieser gegen jene der anderen sich die Mittel zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zu verschaffen. Jeder Einzelne übernimmt gewissermaßen einen bestimmten Anteil an der ganzen Summe von Arbeit, die notwendig ist, um den Bedarf der Gesamtheit zu decken, und erwirbt dafür den Anspruch, nach Maßgabe des von ihm Geleisteten an der gesamten Gütermenge teil zunehmen, welche zur Befriedigung dieses Bedarfes zur Verfügung steht. Auf diese Weise sind die Einzelwirtschaften zu einer höheren Einheit verknüpft, die man als Volkswirtschaft zu bezeichnen pflegt, und eine ähnliche Verknüpfung, wie sie zwischen den Einzelwirtschaften eines Volkes besteht, ist durch die moderne Entwickelung des Verkehres auch zwischen den Wirtschaften der einzelnen Völker hervorgebracht worden. Zahlreiche Erzeugnisse fremder Zonen, wie der Kaffee, der Thee, der Tabak, sind uns unentbehrliche Gegenstände des täglichen Verbrauches geworden, während anderseits Europa und Nordamerika gewissermaßen die großen Jndustriewerkstätten sind, welche eine halbe Welt mit den Erzeugnissen entwickelten Gewerbefleißes versehen. Wir essen Brot, zu dem das Korn auf den Ebenen Südrußlands und Argentiniens gewachsen ist, der Pflug aber, der dort den Acker furcht, ist vielleicht aus einer deutschen oder englischen Werkstätte hervorgegangen. Unsere Tuchfabriken verarbeiten die Wolle australischer Schafe, und das Gewebe, das vom Stuhle kommt, findet wieder seinen Weg in entfernte Welt teile. Ein immer dichter werdendes Netz wirtschaftlicher Beziehungen verbindet die entlegensten Länder, und wenn diese Beziehungen an Innigkeit auch nicht zu vergleichen sind mit jenen, welche die Einzelwirtschaften zur Volkswirtschaft verbinden, so kaun man doch wenigstens in dem Sinne von einer Weltwirtschaft sprechen, daß Hervorbriugung und Verbrauch sich wechselseitig ergänzen und die Kulturerrungenschaften und Fortschritte jedes Landes, seine wirtschaftlichen und politischen Zustände weit über seine Grenzen hin aus eine tief einschneidende Wechselwirkung entfalten. Diese auf Arbeitsteilung und Tausch gegründete Produktionsorganisation ist uns heute schon etwas so Gewohntes und Selbstverständliches geworden, daß ein anderer Zustand uns völlig fremd, ja undenkbar erscheint, und daß wir bei der Betrachtung 109*