906 Die Weltwirtschaft. Mit dieser ungeheueren Steigerung des Bedarfes an Brotgetreide fiel die ge waltige Entwickelung des Verkehrswesens zusammen. Der rasch fortschreitende Ausbau des Eisenbahnnetzes aller in den Kreis moderner Kultur einbezogenen Länder, die Herstellung wichtiger Kanäle, vor allem des Suezkanales, die Entwickelung der Dampfschiffahrt und die Vervollkommnung der Handelstechnik, die in Verbindung mit den Fortschritten im Verkehrswesen eintrat, hat eine so außerordentliche Verbilligung des Warenbezuges und der Warenlieferung aus der Ferne herbeigeführt, daß der bis dahin an enge Grenzen gebundene Verkehr in agrarischen Massenprodukten binnen kurzem zu einem den ganzen Erdball umspannenden Welthandel wurde. Die entferntesten Gegenden der Erde wurden mit ihren Erzeugnissen gewissermaßen vor die Thore West europas geschoben und in den Stand gesetzt, die natürliche Gunst ihrer Prodnktions- bedingungen voll geltend zu machen und nicht nur mit näher gelegenen europäischen Getreideländern in der Deckung des riesenhaft gestiegenen westeuropäischen Getreide bedarfes erfolgreich in Wettbewerb zu treten, sondern auch die heimische Landwirtschaft Westeuropas teilweise aus dem Felde zu schlagen. Neben den Weizen Ungarns und Rumäniens ist auf den europäischen Märkten das Getreide der russischen Tiefebenen und der uordamerikanischcn Prairien, die Zufuhr aus Ostindien, Argentinien, Kanada und Australien getreten. Obenan stehen unter den Getreideausfuhrländern die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Rußland. Noch zu Anfang der 60er Jahre, vor dem Sezessionskriege, war Nordamerika für den Getreidehandel ohne Bedeutung. Erst als der Bau der Pacifischen Bahnen und die infolge wirtschaftlicher Krisen in Europa ge stiegene Einwanderung die Erschließung und rasche Besiedelung des waldarmen und fruchtbaren Prairiegebietes ermöglichte, begannen sie die europäischen Märkte mit immer gewaltiger anschwellenden Getreidemassen zu überschwemmen. Sprunghaft ging die An baufläche für Getreide in die Höhe. Im Jahre 1849 waren erst acht Millionen aorss mit Weizen bebaut, 1871 betrug diese Fläche bereits 20 Millionen, 1876 27 Millionen, 1880 38 Millionen und 1898 44 Millionen aoros.« Die Anbaufläche für Mais ist zwischen 1871 und 1898 von 34 auf 77 Millionen aorss, jene für Hafer von 8 auf 25 Millionen acres, die für Roggen, Gerste und Buchweizen von 2,7 auf 4,7 Millionen acres gestiegen. Gleichen Schritt mit dieser Ausdehnung der Anbauflächen hielt die Steigerung der Erntemenge. Sie betrug in Millionen Meterzentnern für im Jahre 1871 1881 1891 1897 1898 Weizen 62,8 104,3 166,5 144,3 183,8 Roggen 3,9 5,3 8,1 7,0 6,5 Gerste 5,8 8,9 18,9 14,5 12.2 Hafer 37,1 60,5 107,2 101,5 106,1 Mais 252,0 303,5 523,3 483,3 488,8 Buchweizen.... 1,7 2,0 2,6 3,1 2,4 Zusammen 363,8 484,5 826,6 753,7 799,8 Bei extensivster Bewirtschaftung, die oft in reinen Raubbau ausartet, liefert der frisch unter den Pflug genommene, jungfräuliche Boden reiche Erträge mit geringen Produktions kosten. Auf den großen Stapelplätzen des Inneren, in Chicago, St. Louis, Milwaukee, Detroit, Duluth sammeln sich die Zufuhren. Großartige Speicheranlagen (Elevatoren) — deren Chicago allein im Jahre 1885 27 mit einem Fassungsranme von 25 Millionen Bushels zählte — mit den vollkommensten mechanischen Einrichtungen für Reinigung, Sortierung, Mischung, Einlagerung und zeitweise Durchlüftung der Ware nehmen hier das Getreide auf, und ein ausgebildetes Kreditsystem ermöglicht es dem Landwirte, es in