908 Die Weltwirtschaft. Valuta. Seit der teilweisen Eröffnung der sibirischen Bahn ist endlich auch Zentral asien in die Reihe der Getreideländer getreten. Seine Ausfuhr geht über den Don und die südrussischen Häfen und betrug im Jahre 1898 30 Millionen Pud Weizen. Bei der ungeheuren Ausdehnung dieser großenteils für den Getreidebau vorzüglich geeigneten Gebiete liegt eine ähnliche Entwickelung, wie wir sie in Nordamerika und Argentinien erlebten, für Sibirien keineswegs außer dem Bereiche der Möglichkeit. Einen Überblick über die gegenwärtigen Produktionsverhältnisse von Getreide gewährt folgende Zusammenstellung, welche die jährliche Getreideernte der wichtigsten Staaten im Durchschnitte des Jahrzehntes 1888—1898 in Millionen Tonnen angibt: Land Getreide überhaupt Wetzen Roggen Davon Gerste Hafer Maid Vereinigte Staaten von Nord amerika 78,08 13,89 0,74 1,45 11,69 45,31 Rußland 46,82 10,76 20,61 4,29 10,64 0,52 Deutschland 17,63 2,99 7,28 2,44 4,84 — Österreich-Ungarn .... 17,08 5,23 3,28 2,61 2,68 3,28 Frankreich 16,35 8,61 2,17 0,99 3,91 0,67 Britisch-Ostindien .... 6,68 6,68 — — — England 6,16 1,42 0,06 1,66 3,02 — Italien 5,64 3,22 0,13 0,15 0,31 1,83 Spanien 4,73 2,43 0,63 0,23 1,31 — Rumänien 4,30 1,64 0,17 0,52 0,19 1,88 Kanada 3,66 1,35 0,04 0,33 1,44 0,39 Argentinien 2,67 1,68 — — — 0,99 Schweden-Norwegen . . . 2,32 0,09 0,60 0,41 1,22 — Andere Länder 17,03 — — — — — Zusammen 223,94 67,18 38,08 17,91 42,54 58,20 Den Wert einer guten Getreideernte auf der ganzen Welt berechnet man auf etwa 22—25 Milliarden Mark. Auch in Bezug auf das zweite Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung, das Fleisch, tritt in den Kultur- und Industriestaaten West- und Mitteleuropas eine steigende Abhängigkeit von fremden Zufuhren hervor. Der absolute Viehstand hat sich in folge der Verbesserung der Viehzucht und der teilweisen Verdrängung des Körner baues durch die Viehwirtschaft zwar bedeutend gehoben, doch hat diese Vermehrung nicht überall gleichen Schritt mit der Vermehrung der Bevölkerung gehalten, so daß der ^relative Viehstand, das ist sein Verhältnis zur Bevölkerung, teilweise zurückgegangen ist. Gleichzeitig ist unter dem Einflüsse der städtischen Lebensweise und der industriellen Be schäftigung der Anteil des Fleisches an der Ernährung der Bevölkerung gestiegen. Unter dem Zusammenwirken dieser Umstände sind England, in geringerem Maße auch das Deutsche Reich, Frankreich, das cisleithanische Österreich, Italien und die Schweiz zu Einfuhrländern für Vieh und Fleisch geworden. Für die Deckung des Bedarfes der genannten Festlandsstaaten kommen hauptsächlich die viehreichen Länder Nord- und Osteuropas in Betracht: Dänemark, Schweden, Rußland, Ungarn, Serbien und Rumänien. Vielfach zeigt sich dabei die Erscheinung, daß ein Land seinen eigenen Fleischverbrauch mit Hilfe der Zufuhr minderen Viehes aus einem Nachbarlande deckt und sein eigenes hochwertiges Mastvieh ausführt. So werden beispielsweise die Budapester Märkte mit serbischem Vieh versorgt, die vorzügliche eigene Mastware Ungarns aber geht nach Wien. In England dagegen liefern den Hauptteil der Vieh- und Fleischeinfuhr die überseeischen Länder, Amerika und Australien. In diesen Ländern hat die Viehzucht eine noch raschere Entwickelung genommen als der Getreidebau. In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der Rinder von 17 Millionen Stück im Jahre 1850 auf 53 Millionen im Jahre 1894 gestiegen. Eine Fläche so groß als ganz Europa ohne Rußland dient dort der Weidewirtschaft. Da das Vieh auf diesen ungeheuren, unter dem Namen ,.Range