Skandinavien. Gebirgsbahnen. 95 9 n Von 150 km Mehrlänge beschreiben lassen, wenn man ihre Steigung um 500 in ver ringern kann. Trotzdem lassen sich die Paßbahnen nicht überall durch Tunnelbohrungen und große Umwege der Linien vermeiden. Zwar die berühmteste und bedeutendste aller europäischen Paßbahnen, die Brennerbahn, würde man heute sicher anders bauen, als es in den 60er Jahren geschah; ja es ist noch neuerdings vorgeschlagen worden, durch Anlage eines 14 km langen Tunnels zwischen Gries und Gossensaß die Scheitelhöhe der Bahn von 1370 auf 1160 m herabzudrücken und somit die Fahrzeit der Brennerbahnen etwa um eine Stunde zu kürzen. Dennoch ist auch in neuerer Zeit noch eine reine Paßbahn in den Alpen entstanden, die En gadinbahn (Berninabahn), die zurzeit dieweitaus h ö chste vollspurige Bahn von Eu ropa ist, da sie sich bis 2330rnMeereshöhe erhebt. Sie ist im Jahre 1910 er öffnet worden. Sonst aber ist man je länger je mehr darauf be dacht, große Tunnels durch dieGebirgezubohrcnundso- mit die natürlichen Schran ken immer wirksamer aus zuschalten. Die ersten gro ßen Tunnelbahnen in den Alpen waren bekanntlich die Mont Csnis- und Gott- hardbahn (vgl. S. 123 bis 127), die seitdem 17. Sep tember 1871 bzw. seitdem 1. Juni 1882 in Betrieb sind. Sie haben neuerdings einen ebenbürtigen Konkur renten in der Simplon- bahn gefunden, die das Rhonetal mit Mailand ver bindet und zwischen Brig und Domodossola im größ ten Tunnel der Erde, dem 19 803 m langen Sim- plontunnel, den Stockder Alpen durchbricht. Eine weitere, zurzeit noch nicht fertiggestellte Bahn ist die Lötschberg- bahn mit dem am 31. März 1911 glücklich beendeten, 14 536 m langen Lötschbergtnnnel. Etwa im Jahre 1913 wird die Betriebsübergabe erfolgen und damit eine bedeutsame, neue Verbindung zwischen Bern bzw. Jutcrlaken und dem Rhonetal bzw. der Simplonlinie geschaffen werden. Weiter seien in aller Kürze erwähnt die wegen ihrer hohen landschaftlichen Reize und ihrer großartigen technischen Kunstwerke gleich bewundernswerte Albulabahn Thusis— St. Moritz und die mit ihr verbundene Rhätische Bahn (Abb. 850), die das obere Rhein tal mit dem Engadin und den berühmten Schweizer Weltknrortcn seit 1904 verbinden, sowie die Tauernbahn, die dem Salzkammergut und Süddeutschland in verschiedenen Teil- bahnen einen bequemen Zugang nach Kärnten und Triest schafft und deren einzelne Strecken zwischen 1905 und 1908 dem Verkehr übergeben wurden. Ihr Haupttnnnel unter den Hohen Tauern ist 9600 m lang und befindet sich zwischen Bad Gastein und Mallnitz. 850. Der Landwasser-Gradukt der Rhätlschen Gähn.