12 Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege. lassen, so glauben wir immerhin, daß in „Friedenszeiten“ die Arbeiterausschüsse noch immer ein gegenseitiges Verständnis fördern und für beide Teile segensreich wirken, auch manchen Krieg verhindern können. Allerdings werden dabei stets persönliche und ört liche Verhältnisse sehr ausschlaggebend sein.“ — Für die Bewährung der Selbstverwaltung im Arbeiterausschuß sprechen sich der Verein für chemische Industrie, Mainz und die Firma König & Bauer, G. m. b. H., Schnellpressenfabrik, Würzburg - Zell aus. — Hier sei auch auf eine eigenartige Einrichtung der Wollwarenfirma Heinr. Müller Johs. Sohn in Crefeld hingewiesen. Die Firma hat 150 000 M. für eine Unterstützungs kasse gestiftet, die den Statuten entsprechend durch einen Angestellten- und Arbeiterausschuß unter Vorsitz eines Beauftragten der Firma verwaltet wird. Um nun aber auch den Angestellten und Arbeitern alleiniges Bestimmungsrecht, ohne Beeinflussung der Firmen inhaber, zu gewähren, stellte der jetzige ältere Inhaber der Firma noch ein zweites Kapital von 25000 M. für Unterstützungszwecke zur Verfügung. Bei dieser kleineren Kasse kann der gewählte Verwaltungsausschuß auch das Kapital angreifen, ohne daß über diese Mani pulation der Firma Bericht erstattet wird. Der Spender hat damit den Zweck verfolgt, daß „den Unterstützungsbedürftigen nicht das Gefühl aufkommen solle, als ob der Inhaber der Firma das Heft in der Hand behielte“, und daß eventuell auch bedrängte, aber sonst tüchtige und zuverlässige Arbeiter, nicht durch Bekanntgabe ihrer Unterstützung in den Augen der Firma in ihrer wirtschaftlichen Umsicht herabgesetzt werden und vielleicht beim Aufrücken in verantwortungsreichere Stellungen übergangen werden würden. Derselbe ältere Firmen inhaber hat auch mit Erfolg seine mitbeteiligten Söhne dazu animiert, schon beizeiten und regelmäßig Rücklagen für einen Fonds zu bilden, der in späterer Zeit für die Einrichtung einer nachhaltig wirkenden Wohlfahrtseinrichtung dienen kann. Zur Förderung der Verbindung zwischen Arbeitgebern und Angestellten und Arbeitern und zur Stärkung des gegenseitigen Vertrauens dienen auch regelmäßig angesetzte Sprech stunden im Fabrikkontor, die Aufstellung von Frage kästen, die Einrichtung von Vor- trags-undDiskussionsabenden, die Anstellung von Vertrauenspersonen, z. B. wo viele weibliche Arbeiter beschäftigt sind, von einer Vertrauensdame (wie bei der Steingut fabrik Villeroy & Boch in Dresden), die Abhaltung von Fabrikfesten, zu denen auch die Angehörigen der Arbeiter Zutritt haben, und bei deren Arrangements auch die Familienangehörigen des Arbeitgebers mitwirken können. Besonders pietätvoll finden wir bei dem Verein chemischer Fabriken in Mannheim das Festhalten an dem alten Brauch, diejenigen Arbeiter, die am Weihnachtsabend die Nachtschicht und am ersten Weihnachtstage die Tagschicht zu machen haben, auf Kosten der Fabrik im Kantinensaal feierlich zu bewirten. Auch herrscht hier der Brauch, daß am Leichenbegängnis von Arbeitern, die längere Zeit der Firma angehörten, die Fabrik-Musikkapelle teilnimmt. Für größere Firmen empfiehlt sich auch die Einrichtung und Gratisverteilung von FABRIKZEITUNGEN. Als solche haben sich bereits seit über 20 Jahren bewährt: „Fabrikbote der Meierei C. Bolle“, „Die Feierstunde“, Zeitung des Wohlfahrtsvereins der Württembergischen Metallwarenfabrik, Geislingen (vierteljährlich 10 Pf.), ferner aus neuerer Zeit die „Kruppschen Mitteilungen“ mit der Beilage „Nach der Schicht“, „Feierabend“ des Vereins Waldenburger Arbeitgeber, „Die Erholung“ der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. in Leverkusen, der (früher „Brauerei-Anzeiger“) „Schultheiß - Bote“ der Schultheißschen Brauerei usw. Als neues Organ, dessen erste Nummern Vorzügliches versprechen, ist „Michels Hauszeitung“ des Seidenhauses Michels & Co. in Crefeld und Berlin zu erwähnen. Den Mitgliedern (n 500) des Vereins der Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn geht aller 14 Tage die Vereins zeitschrift „Die Straßenbahn“ zu. ÄSTHETISCHE MASSNAHMEN gehören auch zu den allgemeinen Mitteln, die Arbeits freudigkeit zu heben. So schreibt die Firma GüntherWagner, FabrikenfürKünstler- farben in Hannover und Wien: „Hoher Wert ist auf ästhetische Maßnahmen gelegt.