28 Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege. KLEINGARTENKULTUR. Mit vielen Arbeiterwohnungen ist ein kleiner Gemüsegarten ­ verbunden. Von den Firmen des speziellen Teils kommt hier unter anderen Ilse, Bergbau-A.-G., in Betracht, die in der Kolonie Marga der Grube Ilse Kleinhäuser mit Gartenland errichtet hat und auch für jede der durch ihre „Wohlfahrtsgesellschaft“ geschaffenen 700 Familienwohnungen für Arbeiter ein Stück Gartenland von 100 qm zur Verfügung stellt. Ferner kommen noch in Betracht: die Werkssiedelungen der Badischen Anilin- und Sodafabriken in Ludwigshafen a. Rh., die Große Berliner Straßenbahn, ­ die Ostdeutsche Maschinenfabrik, vorm. Rud. Werncke, A.-G. in Heiligenbeil ­ (Ostpr.), Gustav Talbot & Co., Eisenbahnwagen - Bauanstalt in Aachen, Emil Lummerte, Kammgarnspinnerei zu Brandenburg a. H., Oskar Dietrich, Papierstoff - und Papierfabriken, Weißenfels a. S., Margarete Steiff, G. m. b. H., Giengen - Brenz, die Vereinigten Gummiwaren-Fabriken, Harburg-Wien, die Württe mb er gische Metallwarenfabrik, Geislingen, Spinnerei Laufenmühle, ­ Tiengen. Aber auch solche Arbeitgeber, die keine Arbeiterwohnungen errichten, bemühen sich oft, durch Hergabe von Gartenland an ihre Arbeiter diesen die Möglichkeit zu geben, sich und ihre Familien in der Gartenpflege zu betätigen, an den Sommertagen eine willkommene ­ Erholungsstätte zu finden und durch den Kleingartenbau ihre Gesundheit zu fördern, ihr Familienleben zu festigen und sich auch einige wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. ­ Obwohl vielleicht in dem großen Betrag der Gruppe 13 keine erheblichen Beträge ­ für diesen Zweck enthalten sind, so erscheint doch die Förderung des Gartenbaues in Arbeiterkreisen als eine ganz besonders warm zu empfehlende Wohlfahrtseinrichtung. In der von Peter Schmidt 1897 herausgegebenen kleinen Schrift: „Die Bedeutung der Kleingartenkultur in der Arbeiterfrage“ (Berlin, Simion), ist über Wesen und Stand dieser Frage ausführlich berichtet. Aus den Firmen des speziellen Teiles ist zu ersehen, daß die Württembergische Metallwarenfabrik, Geislingen, Gartenland, ­ 50 qm für jährlich 1 M„ an ihre Arbeiter verpachtet, von welchem Anerbieten zurzeit 475 Arbeiter Gebrauch machen; daß die Vereinigten Filzfabriken, Giengen a. d. Brienz, „Krautbeete“ (120) unentgeltlich abgeben; daß in der Badischen Anilin- und Sodafabrik zu Ludwigshafen, sowie in den Farbenwerken vorm. Bayer & Co. in Leverkusen die Gelegenheit zum Kleingartenbau zur Gründung besonderer Gartenbauvereine ­ geführt hat; daß die Spinnerei Laufenmühle in Tiengen ihren Arbeiterinnen ­ Blumen- und Gemüsebeete zur Verfügung stellt und alljährlich eine Ausstellung der erzielten Gartenprodukte veranstaltet usw. Besonders angenehm berührt der Umstand, ­ daß die Papierfabrik Kübler & Niethammer in Kriebstein dafür Sorge trägt, schon der schulpflichtigen Jugend den Sinn für Kleingartenkultur einzuimpfen. Sie hat die Einrichtung getroffen, Arbeiterkindern der beiden letzten Schulklassen ein eingezäuntes Stück Gartenland zur Verfügung zu stellen, wo sie unter Leitung der Frau eines Beamten der Firma in Gartenpflege unterwiesen werden. Die Kosten trägt die Firma, die Erträgnisse gehören den Kindern. — Eine Schülergartenanlage befindet sich auch in den Farbenfabriken zu Leverkusen. Die Gartenpflege durch Kinder erweckt auch in Arbeiterkreisen Interesse für die BLUMENPFLEGE. Es sei hier Gelegenheit genommen, darauf hinzuweisen, daß schon 1878 unter dem Vorsitz des bekannten Philanthropen Wilhelm Schwab in Darmstadt ­ eine „Kommission für Blumenpflege in Arbeiterfamilien“ dort eingesetzt wurde, die erfolgreich wirkt. Hier war auch der Boden für solche ästhetischen Bestrebungen schon vorbereitet, denn bereits seit Begründung der dortigen Knabenarbeitsanstalt im Jahre 1845 waren die Schulkinder planmäßig in der Blumenzucht tätig, auch hatten sie ein Abonnement ­ auf wöchentliche Lieferung von frischen Blumensträußen in die Wohnungen der Bürger eingerichtet. Vielleicht könnten solche Arbeitgeber, die Kinderhorte eingerichtet haben, Blumenzuchtbeete mit diesen verbinden. Anregungen hierzu gibt unter anderen