29 des Windes, wenn er sich, zwischen Jura und Alpen immer mehr eingeengt, in den Winkel am untern Genfer- see hineindrängt. Genf leidet mehr als jede andere Stadt unter der Heftigkeit der Bise. Die Alpen sind für quer gerichtete Winde ein Hin dernis; ist aber der Luftdruck zu beiden Seiten sehr verschieden, so geht eine ausgleichende Luftströmung über den Gebirgswall hinweg. Bei geringem Luftdruck im nordwestlichen Europa steigt Luft am Südhang der Alpen empor und stürzt mit großer Gewalt durch die nörd lichen Alpentäler hinaus. Das ist der Föhn. Er er scheint auf der Nordseite der Alpen als warmer und trockener Wind; die beiden Eigenschaften erlangt er durch das Überschreiten des Gebirges. Die aufsteigende Luft steht in der Höhe unter geringerem Druck; sie dehnt sich aus und verliert dadurch an Wärme. Beim Aufstieg am Südabhang der Alpen scheidet die abgekühlte Luft die Feuchtigkeit in heftigen Regengüssen aus. Als kalter Wind streicht der Föhn über den Bergkamm und stürzt in die nördlichen Quertäler hinab. Im Fallen nimmt seine Wärme wieder zu, um annähernd 1 ° auf 100 m, so daß er mit ungewöhnlich hoher Temperatur die tiefliegenden Talausgänge am Nordsuß des Ge birges erreicht. Der Föhn tritt meist in den Quertälern auf, da ihr Verlauf mit seiner Richtung übereinstimmt. Hasli-, Reuß-, Linth- und Rheintal sind eigentliche Föhnkauäle, durch die der Südwind brausend ins Vorland hinunter stürzt. .In ungestümen Stößen rüttelt der Föhn am Balkenwerk der Häuser; er wirbelt die Funken vom Herd- feuer empor und trägt den Brand weithin über die aus gedörrten Schindeldächer des Bergdorfes. Viele Ort schaften in den Quertälern der Nordalpen sind bei Föhn sturm ganz oder teilweise verbrannt, so Meiringen, Grin delwald, St. Stephan im Simmental, Altdorf, Glarus, Bonaduz am Ausgang des Domleschg; von den Dörfern des St. Galler Rheintales haben fast alle wiederholt Föhn Auftreten und Wirkungen des Föhns