36 Alpenflüsse Flüsse der Südschweiz das Gefälle und die Strömung stärker als im Unter» lauf. Die vorhin genannten vier Hauptflüsse gehören nur in ihrem Oberlauf zur Schweiz; das verleiht den Gewässern unseres Landes ihre ausfälligsten Eigen schaften : Bedeutende Schwankungen in der Wassermenge und ein fast durchwegs starkes Gefälle. Je nachdem das Einzugsgebiet der Flüsse vor wiegend in den Alpen, im Miltelland oder im Jura liegt, fallen die hohen und niedrigen Wasserstäude auf verschiedene Zeiten. Die Alpenflüsse werden vorwiegend durch das Schmelzwasser der Schneefelder und Gletscher genährt. Im Frühling fangen sie an zu steigen und erreichen im Juni und Juli zur Zeit der starken Schneeschmelze im Gebirge den höchsten Stand; im Winter führen sie wenig Wasser. Kurze und starke Hochfluten treten auch im Frühling auf, wenn spätgefallener Schnee auf den Voralpen unter der Föhnwärme plötzlich zergeht. Im Sommer steigen und fallen die Gletscherwasser sogar mit dem Wechsel der Tageszeiten. Bäche, die nach der Kälte der Nacht wenig Wasser bringen und leicht zu überschreiten sind, schwellen tagsüber durch das starke Abschmelzen des Eises so an, daß sie unpassierbar werden. Die Flüsse der Südschweiz (Tessin, Maggia) haben einen nur geringen Anteil au Schnee- und Eisfeldern; ihr Wasserstand richtet sich nach den jeweiligen Nieder schlagsverhältnissen. Im Sommer sind sie wasserarm; unter den heftigen Föhnregen im Heibst und Winter schwellen sie fast plötzlich zu gefährlicher Wildheit an. Die Maggia fuhrt dem Langensee bei ihrem tiefsten Stand wenige m a , zur Zeit der Hochflut dagegen bis 1000 m ' Wasser in der Sekunde zu. Tessin und Maggia samt ihren Seitenbächen zeigen eine ausfallende Ähnlichkeit mit vielen Wasserläufen der Mittelmeerlandschast, die im Sommer fast trocken da liegen und unter den Winterregen sich mit Wasser anfüllen.