73 verwendet wird, so gilt die Stickerei nicht selten als Zweig der Baumwollfabrikation. Die kunstvolle Arbeit und der hohe Produktionswert geben ihr aber eine selb ständige Stellung. Die Stickerei umfaßt ein enger be- Ausdehnung grenztes Gebiet als die übrigen Großindustrien der bet ® tiÄerci Schweiz. Sie ist in den Kantonen St. Gallen, Appenzell und Thurgau verbreitet; jenseits der Grenze beschäftigt sie auch die Bewohner des österreichischen Vorarlbergs. Mittelpunkt des gesamten Industriegebietes ist die Stadt St. Gallen. Von hier aus gehen die Arbeitsaufträge in die Landschaft hinaus; dahin kehren die fertigen Waren zurück und werden in den Ausrüstereien der Geschäfts häuser für den Verkauf im Großen zubereitet. Demnach ist es verständlich, daß man stets von den St. Galler Stickereien redet, gleichgültig, in welchem Teil des Jn- dustriebezirkes^ sie angefertigt wurden. Die Hauptab nehmer der St. Galler Stickereien sind die Vereinigten Staaten und England. Die feine Handstickerei ist unter der Konkurrenz der Hand- »ud Stickmaschine seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stark zurückgegangen und beschäftigt heute fast nur noch die eui Frauen und Mädchen Jnnerrhodens. Dafür hat vom Bvdensee bis zu den Höhen am Fuß des Säntis die Maschine ihren Einzug gehalten, in den Dörfern sowohl wie in den einsam gelegenen Häuschen hoch oben an steiler Berghalde. Die Maschine ahmt die Handstickerei nach, ohne jedoch den gleichen Grad der Feinheit zu erreichen. Sie erzeugt in Menge den Besatz für Weiß- zeug (Entredeux), Roben, Taschentücher, Schleier. Ein anderer Zweig, die Kettenstich- oder Grobstickerei, befaßt sich mit der Anfertigung der Stören und der weißen, großgemusterten Vorhänge (Rideaux). Die Stickmaschine wird von Hand betrieben. Sie findet sich vorwiegend in den Wohnhäusern, in geringer Zahl in Fabriken. Die mit Wasser oder Dampf betriebene Schisfli-Stick- maschine ist dagegen ausschließlich für den Fabrikbetrieb berechnet.