74 Verbindung mit der! Landwirtschaft Kinderarbeil Entwicklung der Baumwolle industrie Arbeitsraum der Haussticker ist heute selten mehr der feuchte Keller, der vor dem Einzug der Stickerei als Webkeller diente. Häufig steht die Maschine in einem dem Wohnhaus augebauten Raum, dessen große und zahlreiche Fenster schon von weitem die Bestimmung er kennen lassen. Im nahen Umkreis der Stadt St. Gallen und im untern Toggenburg widmen sich die Hausarbeiter fast ausschließlich ihrer Industrie. In den übrigen Land schaften verbinden sie die Maschinenstickerei meist mit dem Landbau. Die Landwirtschaft beschränkt sich dann auf Wiesenkultur und Biehzucht, die nicht so viel Zeit und Arbeitskräfte erfordern wie der Fruchtbau, der übrigens im obern Toggenburg und iin Appenzell wegen der hohen Lage kaum lohnen würde. Landwirtschaft und Stickerei lassen sich recht wohl vereinigen; die große Nachfrage nach Stickereien fällt auf den Winter; wenn die Launen der Mode oder die Überproduktion einen schlechten Geschäftsgang Hervorrufen, so bewahrt die Land wirtschaft den Sticker vor vollständiger Verdienstlosigkeit. Anderseits mindert die bäuerliche Hantierung die Fähig keit, die feinsten Stickereien auszuführen. Das Maschinen sticken erfordert eine gewisse körperliche Kraft und ist des halb meist Männerarbeit. Den Frauen und Kindern bleibt dann als Hilfsarbeit das Einziehen des Garns in die Nadel, das „Fädeln", überlassen. Noch heute gilt als eine der bedenklichsten Erscheinungen in der ostschwei zerischen Hansstickerei, daß die Kinder dabei überanstrengt und dauernd an der Gesundheit geschädigt werden. 8 + D n irmwoUrnd u stri e. Aus dem mittelalterlichen Leiuwandgewerbe St. Gallens erwuchs im Anfang des 18. Jahrhunderts die Baum- wollindustrie; französische Hugenotten führten sie ein. Bald waren in weitem Umkreis um die Stadt und ostwärts des Rheins viele tausend Hände damit be schäftigt, neben den gewöhnlichen Baumwolltüchern die