75 feine Musseline anzufertigen und zu besticken. Zur gleichen Zeit verschafften Hugenotten der Musseline fabrikation -auch in Zürich Eingang, wo'man schon lange Baumwolle verarbeitet hatte. Auch die Bewohner des Glarnerlandes begannen damals für die Geschäftshäuser von St. Gallen und Zürich Baumwolle zu spinnen, zu weben und zu bedrucken. Anfänglich war das Spinnen und Weben der Baumwolle Handarbeit. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann die Konkurrenz des englischen Maschinengarns und der maschinengewobenen Tücher. Sie wurde so drückend, daß auch in der Schweiz die Spiunmaschine und der mechanische Webstuhl die ur sprüngliche Arbeitsweise ganz verdrängten. Mit dem mechanischen Betrieb vermochte die ostschweizerische Baum- wollindustrie den Rang im Wettbewerb init dein Ausland zu behaupten. Um die Mitte des letzten Jahrhunderts kam eine Reihe der besten Geschäftsjahre. Später trat infolge wachsender Konkurrenz und der Zollerhöhungen einzelner Absatzgebiete ein Rückschlag ein, obwohl die Fabrikanten bemüht waren, durch die Aufnahme be sonderer, vom Ausland vernachlässigter Zweige des Baum- wollfaches den Niedergang aufzuhalten. Heute umfaßt das Gebiet der Spinnerei und Weberei Industriegebiet die Kantone St. Gallen, Appenzell A.-Rh., Thurgau und Glarus, das Zürcher Oberland, und reicht der Aare entlang bis in den bernischen Oberaargau hinauf. Die Hausindustrie von Appenzell A.-Rh. fertigt Plattstich- gewebe an. Die Glarner Fabrikanten betrieben Jahr zehnte hindurch mit bestem Erfolg das Färben und Be drucken der Baumwollstoffe. Sie lieferten Tücher in bunten Farben nach den südeurvpäischen Ländern, Schleier und Kopftücher (Türkenkappen) nach dem Balkan und Vorderasien, Sarongs, die Kleidung für die Eingebornen, nach Java und Sumatra. Eine Glarner Spezialität sind auch die „Nouclwirs", für die im Lande selbst noch vielfach die Bezeichnung „Fazzenettli" gebraucht wird (nach dem italienischen fazzoletto = Taschentuch).