76 Ausfuhr Anfänge der Industrie Zürcher Seide In den letzten Jahren ist für die Baumwolldruckerei wegen des verminderten Absatzes eine schlimme Zeit an gebrochen; einige Fabriken sind eingegangen. Gegen wärtig verlegt sich die Baumwollindustrie wieder mehr aus die Herstellung feiner Gewebe, vor allein Musseline für Ostasien. Der Wert der ins Ausland verkauften Baumwoll- fabrikate (Garne und Gewebe) belief sich 1912 auf 59 Mill. Fr. Die Ausfuhr macht etwa 2 /a der Gesamt produktion aus; der Rest findet im Lande selbst Absatz. Die Rohbaumwolle kommt zum großem Teil aus den Südstaaten der Union; daneben liefert auch Ägypten ein durch Qualität ausgezeichnetes Rohmaterial. 4. Keidenindnjtine. Für die Verarbeitung der Seide 'kommen als Mittelpunkte die Städte Zürich und Basel in Betracht, das erste für die Seidenstofsweberei, dieses für die Band weberei. Schon im Mittelalter war das Seidengewerbe in Zürich heimisch; 1555 brachten ihm reformierte Glaubensverfolgte aus Locarno eine neue Anregung. Seither ist die Seidenindustrie für die Stadt und einen weilen Umkreis zur Quelle des Reichtums geworden. Die Seidenstoffweberei umfaßt außer Zürich hauptsächlich die beiden Seeufer und das obere Glattal. Weiterhin tritt sie mehr vereinzelt auf im Knonaueramt, im Aar gau und in der Jnnerschweiz. Die letzten Ausläufer reichen über den Brünig ins Haslital und im Jura bis nach Delsberg. Im Zürcher Oberland trifft sie mit der St. Galler Baumwvllindustrie und Stickerei zusammen, und im Aargau begegnet sie bereits den Bandwebstühlen, die für Basel tätig sind. Die althergebrachte Hausweberei mußte immer mehr hinter dem Fabrikbetrieb zurücktreten; sie hat sich nur abseits der größern Verkehrswege und der Fabriken meist als Nebenverdienst zur Landwirtschaft erhalten.