88 Kinderarbeit Landflucht Werden. Für die Hausarbeit gelten diese Schutzbestim mungen nicht Da wird häufig in zu kleinen, schlecht gelüfteten und ungenügend hellen Räumen gearbeitet, ganz zu schweigen von den feuchten Stickerei- und Web- kellern des St. Galler Industriegebietes. Anhaltende Nachtarbeit, bei dringenden Aufträgen üblich, erschöpft frühzeitig die Kräfte. Wenn die Arbeitsstelle gleichzeitig als Wohnraum dienen muß, so leidet darunter die Ge sundheit der ganzen Familie. Die Großindustrie entzieht den Arbeiter seiner Fa milie und mindert so das Gefühl der engen Zusammen gehörigkeit. Es gilt als größter Vorzug der Heimarbeit, daß der Vater im Familienkreis bleibt und seinen Einfluß bei der Erziehung der Kinder ausüben kann. Dem steht als schwerer Nachteil gegenüber, daß gerade in der Haus industrie bei dem Mangel an Gesetzesvorschriften die kindliche Arbeitskraft ausgebeutet wird; die Stickerei ist wegen der übermäßigen Kinderarbeit geradezu berüchtigt. Der ständige Aufenthalt in ungesunden Räumen und die Überarbeitung schädigen die körperliche und geistige Ent wicklung der Kinder; das ist zweifellos die schlimmste Begleiterscheinung der Hausindustrie. 9. Industrie rr. Je mächtiger die Industrie anwuchs, desto stärker war ihre Wirkung auf den Landbau. Mißmutig sah der Bauer die Arbeiter scharenweise die Scholle verlassen und den Städten, und Jndustrieorten zueilen, >vo sie bei ge setzlich beschränkter Arbeitszeit und höherem Lohn ihre Lage zu verbessern meinten. Infolge der Landflucht trat im Bauernstand Arbeitermangel ein, der die Löhne in die Höhe trieb und die landwirtschaftliche Produktion verteuerte. Günstiger war die Stimmung des Bauern meist gegenüber solchen Unternehmen, an denen er als Lieferant direkt interessiert ist, wie Konservenfabriken, Milchsiedereien, Zuckerfabrik Aarberg. Wie der Zug nach