132 breiten sich die Maisfelder aus, die den Landesbewohnern die Nationalspeise, die „potente,“, liefern. Überall hat der Wald stark unter Verwüstung gelitten; das vermehrt die Wildbachgefahr. Im südlichen Tessin sind die Gehänge ­ weithin mit Buschwald verkleidet. Auf den Höhen wandert man stundenlang durch bunt gemischtes Niederholz ­ von Kastanien, Eichen und Haselbüschen, das erst am Fuße des Berges von hochstämmigen, knorrigen Kastauienbäumen abgelöst wird. Der Buschwald überzieht die Berge mit einem sammetartigen, grünen Schimmer, der die zahllosen Wasserrinnen der Gehänge und die Bergumrisse mit aller Schärfe zeichnet, während der Hochwald als dicker Mantel die Formen des Untergrundes verhüllt. Ackerbau Beim Vorwiegen steiler Halden und eines stark zerstückelten Bodens ist der Ackerbau erschwert; er gehört fast ausschließlich in den südlichen, tiefer liegenden Kantonsteil. ­ Während in der Ebene der Mais in ganzen Feldern reift, können am terrassierten Steilhang nur schmale, ausgemauerte ­ und schwer zugängliche Riemen bebaut werden. Vielfach liegt der Ackerbau den Frauen und Kindern ob, da die Männer scharenweise als Bauarbeiter nach den Bauplätzen der Nordschweiz wandern und nur wenige Wintermonate bei ihrer Familie zubringen. Daneben Auswanderung besteht eine eigentliche Auswanderung; die Tessiner ziehen als Südfrüchtehändler über die Alpen, oder sie finden in Argentinien oder in den Vereinigten Staaten eine neue Heimat. Granit- und Der nördliche und größere Kantonsteil besteht aus Gneisindustrie (grcmip und Gneisgebirgen, die seit dem Bau der Gotthardbahn ­ in zahlreichen Steinbrüchen einen hochgeschätzten Baustein liefern. Am wichtigsten sind die Brüche an der Gotthardlinie selbst. Dem Reichtum an Baustein entsprechen ­ die massiv gebauten Häuser mit flachen, gneisplattenbedeckten ­ Dächern; sie drängen sich um den italienisch Bauten anmutenden Campanile (Glockenturm) und schließen an den Berghalden enge und holperige Dorfgassen ein.