III wird in der Geschichte des Postwesens eine grössere Bedeutung haben als das Jahr 1840. Der Weltpostverein stellt ein Werk dar, welches ebenso kühn und dabei von weit allgemeinerer Bedeutung ist als die englische Postreform.“ i Aber das Welt-Pennyporto hätte auch noch eine tiefere symbolische Bedeutung. Es handelt sich nicht bloss darum, den Brief-Tarif von 25 auf 10 Centimes, von 2 1 / 2 auf 1 Penny, von 20 auf 10 Pf. herabzusetzen und 10 Pf. zu sparen, sondern darum, dass künftig das Inland zugleich zum postalischen Ausland, zum Weltpostgebiet, das ganze Weltpostgebiet aber zum Inland wird, dass in diesem Punkte zunächst einerlei Tarifgesetz In- und Ausland arrf dem ganzen Erdball umfasst, dass alle Länder und Volke! der Welt postalisch ineinandergefügt und von einem gleichen Bande um schlungen werden, eine gleiche Sprache des Verkehrs reden und nach und nach immer mehr auch in der sonstigen Postgesetzgebung durch den gegen seitigen Einfluss vereinheitlicht werden. 1 ,v Der einige Weltstaat, das Weltbürgertum, von dem die Menschheit schon seit Jahrtausenden träumt, er würde wenigstens auf dem Gebiete des Postwesens gewissermassen zur Wirklichkeit werden; ohne Grenze zwischen In- und Ausland. Schon Sokrates und die Zyniker unter den alten Philosophen wollten nicht Bürger eures bestimmten Staates, sondern Bürger der Welt sein, und die Weisheit der Stoiker hat diesen Gedanken vertieft und weitergebildet. „Wir sind Glieder eines grossen Körpers,“ sagt Seneca in einem seiner herrlichen Briefe. „Wir sind zum Zusammenwirken geboren,“ tönt es von den Lippen Marc Aurels. „Die Welt ist ein einziges Gemeinwesen; gleich ist überall der Stoff, aus dem sie gebildet worden ist,“ klingt es wieder bei Epiktet. Und ist der Weltpostverein denn nicht schon ein einziges Gemeinwesen, ein postalischer Welt-Staatenbund? Ist nicht geradezu ein Wunder in ihm verwirklicht? Wird dieses Wunder nicht noch grösser sein, wenn auch die jetzigen Grenzen zwischen In- und Ausland im Tarif wegfallen? Ist das etwa ein unsinniges Ziel? „Im Gegenteil, das ist das Ideal, nach dem wir streben,“ sagte Stephan. „Wir hoffen, noch dahin zu kommen, dass wir den Weltpostsatz von 20 Pfennigen auf den internen von 10 Pfennigen zurückführen, so dass alles ein Hirt und eine Herde ist, so dass wir den gleichen Portosatz auf der ganzen Erde haben. Das ist nicht widersinnig, sondern im Gegenteil sehr tiefsinnig.“ Sind wir aber erst im Postwesen so weit, welche Perspektiven er öffnen sich da nicht für die weitere Zukunft auch auf anderen Gebieten? Die ' nationale interne englische Pennyportoreform von 1840 ist zweifellos der Ausgangspunkt gewesen für die Entwicklung zum Weltpost verein und zum nahenden Welt-Pennyporto. Ihr 70jähriges Jubiläum kann aber nicht begangen werden, ohne dass wir des Mannes gedenken, dessen Werk sie war: Bowland Hill’s (1795—1870). Ihm widme ich daher die unten folgende „Einleitung“. Sein Leben ist noch heute für uns lehrreich. Und es ist zugleich fesselnd zu verfolgen, wie ein unbekannter schlichter